Seit nunmehr 20 Jahren sind gesundheitspolitische Debatten in Deutschland geprägt von der Legende von der "Kostenexplosion". Bereits 1975 titelte der Spiegel eine Serie zum Thema Gesundheitswesen mit der Schlag
...alles anzeigenzeile: "Krankheitskosten - die Bombe tickt". Aber gab es diese Kostenexplosion wirklich, oder liegen in Wahrheit steigenden Beitragssätzen ganz andere Ursachen zu Grunde? Das Buch wird sich zunächst mit den grundsätzlichen Merkmalen unserer Sozialstaatskonstruktion befassen. Ein Blick auf die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung wird nach Ursachen für den Anstieg der Beitragssätze suchen. Nach einigen grundsätzlichen Überlegungen werden die unterschiedlichen Vorschläge für eine Reform der Einnahmeseite der Gesetzlichen Krankenversicherung nach Art der Bürgerversicherung vorgestellt und in ihren Auswirkungen untersucht. Das System braucht keine neuen Einnahmen, sondern eine vernünftigere und gerechtere Lastenverteilung. Bürgerversicherung ist nicht mehr Geld im System, sondern das gleiche Geld aus anderen Taschen. Bürgerversicherung ist ein Gleichheits- und Gleichbehandlungsversprechen, sie ist die Umsetzung von mehr Gerechtigkeit. Zukunftsfähig und solidarisch
Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 trat am 1.1.1934 in Kraft. Ca. 350 000 Menschen wurden auf der Grundlage dieses Gesetzes zur "Reinerhaltung der Rasse" und zur "Reinigung des Vo
...alles anzeigenlkskörpers" ihrer Fortpflanzungsfähigkeit durch Zwangssterilisation beraubt. Nach 1939 wurden ca. 300 000 Menschen als "lebensunwert" stigmatisiert und durch die verschiedenen "Euthanasie"-Maßnahmen wie Gas, Injektionen und gezieltes Verhungernlassen ermordet. Dieses Gesetz, das Hunderttausenden Opfern physisches und psychisches Leid brachte, ganze Familien auch nach dem Ende des NS-Regimes weiter stigmatisierte und ausgrenzte, muss endlich nach über 70 Jahren aufgehoben und für nichtig erklärt werden, denn dieses Gesetz wurde 1974, soweit es als Bundesrecht fortgalt, nicht aufgehoben, sondern lediglich außer Kraft gesetzt. Nur die Aufhebung und eine Nichtigerklärung dieses Gesetzes bedeuten für die Überlebenden und ihre Familien die Rehabilitation.
Nach jahrelangem Suchen und Forschen hat die Autorin das Schicksal ihres Großvaters klären können, der 1941 aus der katholischen Heil- und Pflegeanstalt Branitz/Oberschlesien deportiert und wenige Tage später i
...alles anzeigenn Waldheim/Sachsen ermordert wurde. Sie entdeckte, dass ihr Großvater aus einer polnisch-jüdischen Familie stammte; eine Tatsache, die in ihrer Familie mit noch größeren Schweigetabus belegt war als die Geisteskrankheit des Großvaters und seine Ermordung. Bei ihren Forschungen stellte sie auch fest, dass Branitz ab 1941 Reservelazarett wurde, in dem zeitweise über 5000 Soldaten untergebracht waren. Sie stieß auf die Tötung nicht nur geisteskranker, sondern auch lungenkranker Soldaten des 2. Weltkrieges und auf Medizinexperimente sowie Tötungen in der Anstalt selbst. Die Stimme der Betroffenen, die aus den Patientenakten hörbar wird, nimmt einen breiten Raum ein und vermittelt ein bewegendes und widersprüchliches Bild vom Leben in einer psychiatrischen Anstalt. Damit will das Buch auch einen Beitrag zur Differenzierung und Vertiefung der Sicht auf die NS- Problematik der "Zwangssterilisation" und "Euthanasie" leisten. Dort, wo Tiefendimensionen der angeschnittenen Probleme mit den herkömmlichen wissenschaftlichen Methoden nicht mehr zu erfassen sind, hat die Autorin Gedichte geschrieben, die eine unmittelbar sprachlich-sinnlichere Ebene eröffnen.
"Meine Erlebnisse und Erfahrungen in den Kliniken, aber auch das widerfahrene Unrecht vor deutschen Gerichten, veranlassten mich, diesen Ratgeber zu schreiben. Insbesondere waren es die große Hilflosigkeit und
...alles anzeigenVerzweiflung vieler geschädigter Patienten, ihrer Angehörigen und auch zahlreicher nicht unmittelbar betroffener Menschen, die auf die Vorgänge aufmerksam wurden und fassungslos reagierten." Vera Stein wurde 1958 geboren. Nach Kinderlähmung mit drei Jahren, normaler Werdegang mit Besuch des Gymnasiums. Ab 1974 verbrachte sie fast vier Jahre zwangsweise in geschlossenen Psychiatrien - bis eine Mitpatientin sie herausholte und in ihre Familie aufnahm. Durch Medikamente schwer geschädigt erkämpfte sie sich ihre Selbständigkeit zurück. Sie erlernte den Beruf der technischen Zeichnerin und Teilkonstrukteurin. Durch Erfahrungen zur Expertin: Vera Stein schrieb mehrere Bücher, hielt Vorträge und klärte in den Medien über Missstände in den Psychiatrien auf, um Verbesserungen zu erreichen. Sie verklagte alle Kliniken, in denen sie zwangsweise untergebracht war, auf Schadensersatz und ging bis nach Straßburg zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, um ihre Klage durchzusetzen. Bundesweit bekannt wurde Vera Stein, als dieser 2005 die Bundesrepublik Deutschland wegen Freiheitsberaubung und schweren Menschenrechtsverletzungen verurteilte - mit weitreichenden Folgen auch für die Allgemeinheit.