Behinderte und psychisch Kranke wurden in der stalinistischen Sowjetunion diskriminiert. Viele von ihnen überlebten die nationalsozialistische Mordpolitik nicht. Nach 1945 blieben sie in der UdSSR, im Ostblock
...show allund auch im Westen als Opfer des Zweiten Weltkrieges vergessen. Unter welchen Umständen lebten Behinderte und Kranke in der UdSSR vor dem deutschen Überfall? Wie wurden sie in der sowjetischen und deutschen Propaganda dargestellt? Wie entwickelte sich das sowjetische Gesundheitswesen? Waren eugenische Theorien in der Sowjetunion im Umlauf? Wie verliefen die nationalsozialistischen Kranken- und Behindertenmorde in den besetzten Gebieten? Wie lässt sich die schleppende Aufarbeitung dieser Verbrechen nach 1945 erklären? Wie war die Lage von Kranken und Behinderten in der UdSSR, im Ostblock und im postsowjetischen Raum? Forscher aus Weißrussland, Russland, Deutschland und der Ukraine analysieren diese und weitere bislang wenig erforschte Probleme, welche große Bevölkerungsteile betrafen. Es werden dabei umfangreiche, lange Zeit gesperrte und bis heute für westliche Wissenschaftler kaum zugängliche postsowjetische Archiv- und Bibliotheksbestände ausgewertet.
Spanische Grippe, Beulenpest und Cholera - immer wieder in der Geschichte haben Epidemien Leid und Tod über die betroffenen Menschen gebracht. Im Europa des 19. Jahrhunderts ließen sie die Sterblichkeit sogar h
...show allöher schnellen als während der Weltkriege im 20. Jahrhundert. Diese Erfahrungen haben sich tief in unser kulturelles Gedächtnis gebrannt. Doch woher kommen diese Seuchen, wann treten sie auf, was bestimmt ihren Verlauf - und ihr Ende? Die Frage, wer erkrankt, wer überlebt oder stirbt, ist dabei keine rein medizinische, sondern immer auch eine soziale. Sie ist eng mit den jeweiligen historischen und kulturellen Lebensumständen verknüpft, ebenso mit geographischen Bedingungen und klimatischen Gegebenheiten. In seiner Geschichte der großen Seuchen im Europa der Moderne beleuchtet Manfred Vasold die Vielfalt der Faktoren, die die Ausbreitung der Krankheiten bedingen. Im historischen Vergleich zeigen sich ihre Gesetzmäßigkeiten - und der schicksalhafte Zusammenhang zwischen dem Erreger und seinem Opfer.
Evidenz beschreibt etwas, das unmittelbar einleuchtet. Wissenschaftliche Abbildungen erheben zwar den Anspruch, evident zu sein, aber ihre Evidenz ist nicht natürlich. Sie ist nur mittelbar für diejenigen einle
...show alluchtend, die sie lesen können. Das gilt auch für Bilder in der medizinischen Diagnostik: Im Visualisierungsprozess diagnostischer Abbildungen werden zum einen Strukturen und Zusammenhänge sichtbar gemacht, die zuvor unsichtbar waren. Zum anderen muss über Lese- und Denkprozesse die Evidenz in das Bild implementiert werden. Allerdings sind diese Bilder primär durch Mehrdeutigkeit und Unbestimmtheit geprägt, was Strategien der Evidenzproduktion erfordert. Hierzu gehören der Einsatz geschulter Zeichner am Mikroskop, die Produktion von Diagrammen auf Basis von Messwerten, der versierte Einsatz von Endoskopen sowie die physikalisch-chemische Erzeugung von Radiogrammen zur Sichtbarmachung des Körperinneren. Die Evidenz diagnostischer Abbildungen unterliegt also immer bestimmten Verfahren und Strategien der Evidenzzuschreibung. Sie bleibt eine nützliche Fiktion, die überaus vielfältig und immer kontextabhängig ist. Heiner Fangerau und Michael Martin sprechen deshalb statt von Evidenz im Singular von den Evidenzen diagnostischer Bilder im Plural.
Dürfen Patienten für den medizinischen Erkenntnisgewinn als bloße Objekte missbraucht werden? Anna Bergmann geht dieser Grundfrage der medizinischen Ethik in unserer "Kultur der Nebenwirkung" nach. Sie spannt d
...show allen historischen Bogen von der Leichenzergliederung im Anatomischen Theater über medizinische Menschenexperimente z. B. an unehelich schwangeren Frauen und Menschen in Kolonialgebieten bis hin zu der vom Körper, Sterben und Tod ihrer eigenen Patienten abhängigen Transplantationsmedizin. Sie hinterfragt das Menschenbild der modernen Medizin, das zu einer Entseelung führt, und untersucht die zum Zweck des Heilens unverzichtbare Gewaltanwendung im Tier- und Humanversuch. Anna Bergmann plädiert für ein neues medizinisches Konzept, das den Menschen nicht in einzelne Organe zerlegt, sondern Patienten in ihrer individuellen Ganzheit wahrzunehmen versteht.
Was tun, wenn man auf Reisen krank wird und man vor Ort keine Apotheken und keine vertrauenswürdige Ärzteschaft findet? Plinius' vor fast zwei Jahrtausenden entstandene "Kleine Reiseapotheke" weiß die Antworten
...show all: Von Kopfschmerz bis Hühnerauge bietet sie in einem handlichen Büchlein Ratschläge, wie man mit unterwegs leicht beschaffbaren pflanzlichen, tierischen und mineralischen Heilmitteln, aber auch mit manchem Hokuspokus beschwerdefrei durchs Römische Reich reisen kann. Unfälle und Bisse von Tieren (und Menschen!), Hitze- und Kälteschäden und die Folgen ungewohnter Speisen für die Verdauung werden ebenso behandelt wie Haarausfall und graue Haare. Der bis ins Mittelalter weit verbreitete lateinische Text der Medicina Plinii wird hier erstmals in einer deutschen Übersetzung zweisprachig zugänglich gemacht und in einer ausführlichen Einführung erschlossen. Das Buch bietet einen faszinierenden Einblick in die Welt des Römischen Reichs und in das Leben der damals Reisenden.
Der Patient von heute sucht selbständig nach Information über seine Krankheit und Kontakt zu anderen mit dem gleichen Leiden. Dieses Phänomen ist jedoch nicht neu: Der erste europäische Patientenverein, der Heu
...show allfieberbund von Helgoland, wurde schon 1897 gegründet. Später kamen weitere Organisationen dazu, unter anderem 1951 der Deutsche Diabetiker Bund und 1956 die Deutsche Hämophiliegesellschaft. Seit mehr als einem Jahrhundert also schließen sich Menschen mit bestimmten Krankheiten zusammen, um Aufklärung und Selbsthilfe zu betreiben und ihre politischen Interessen zu vertreten. Damals wie heute begegnen sie dabei der Herausforderung, sich im Gesundheitswesen eine Stimme zu verleihen. Um die heutige medizinische Landschaft zu verstehen, muss uns der historische Hintergrund von Patientenvereinen bewusst sein. Ylva Söderfeldt untersucht die Vorgeschichte der Patientenbeteiligung in der Medizin, die ein neues Licht auf Patienten als medizinische Akteure wirft. Die Annahme, dass Selbsthilfe und Patientengruppen generell subversive Akteure im medizinischen Bereich sind, stellt sie in Frage.
Spezialisierung, Interdisziplinarität und Multiprofessionalität sind bedeutsame Phänomene, die die Geschichte der Medizin prägen. Die Entstehung der herzchirurgischen Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsse
...show allldorf und ihre Entwicklung zu einem multiprofessionellen herzmedizinischen Netzwerk spiegeln beispielhaft die Folgen, Wertigkeit und Beziehung dieser Phänomene wider. Louisa Farghaly untersucht die Hintergründe des Spezialisierungsprozesses auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene. Sie analysiert ihre Bedeutung hinsichtlich der Etablierung eines multiprofessionellen herzmedizinischen Netzwerks in Düsseldorf: Welche Persönlichkeiten haben die internationale und Düsseldorfer Geschichte der Herzmedizin geprägt? Wieso entwickelte sich am Standort Düsseldorf ein multiprofessionelles herzmedizinisches Netzwerk? Welche medizinischen Fachdisziplinen waren beteiligt und ausschlaggebend? Welche Auswirkungen hatte diese Entwicklung auf die Zusammenarbeit ärztlicher und nicht ärztlicher Mitarbeiter? Farghaly dokumentiert einen wissenschaftlichen Lernprozess, der Michael Polanyis "Tacit Knowledge" in vielen Facetten illustriert.
Am Beispiel von Aufklärungskampagnen zeigen Stefan Offermann und Pierre Pfütsch, wie Übergewicht zu Exklusionsprozessen führen konnte. Martin Dinges untersucht die "nachholende Medikalisierung" von Männern. Nin
...show alla Kleinöder geht der Frage nach, wie sich im Verlaufe der letzten Jahrzehnte die gesundheitlichen Belastungen in einzelnen Industriebranchen entwickelt haben. Am österreichischen Beispiel analysiert Andreas Weigl, wie sich die Nutzung von Gesundheitsdiensten durch Migranten von der ersten zur zweiten Generation ändert. Gabriele Lingelbach zeigt auf, dass die Gesundheitschancen von Menschen mit Behinderungen in der Bundesrepublik durchaus differieren. Außerhalb des Themenschwerpunktes fallen zwei Aufsätze, die sich zum einen mit dem Umgang mit Verwundeten auf den Schlachtfeldern des 30-jährigen Krieges (Alexander Querengässer) und zum anderen mit der Rolle des Hygienikers Hermann Eyer im Dritten Reich (Mathias Schütz) befassen. In der Sektion zu alternativen Heilweisen macht Martin Dinges auf die Geschichte von homöopathischen Laienvereinen aufmerksam. Joel Piqué Buisan lenkt den Blick auf die Geschichte der Homöopathie in Spanien.
Die Pflege im Nationalsozialismus ist seit Jahren ein beliebtes Forschungsfeld der Pflegegeschichte. Der vorliegende interdisziplinäre Band versammelt eine Vielzahl neuer Perspektiven und Quellen zur Rolle der
...show allPflege in der NS-Zeit und bildet somit den Stand der gegenwärtigen Forschung ab. Dabei steht u. a. die Frage im Fokus, welche Funktion Pflege generell in der NS-Ära besaß und welches berufliche Selbstverständnis dem zugrunde lag. Wie sah die standespolitische Vertretung aus und wie fügte sie sich in die NS-Strukturen ein? Wie war der Umgang mit jüdischen Kolleginnen und Kollegen? Des Weiteren ist von Interesse, welche Rolle Pflegenden im Kontext von medizinischen Verbrechen in Konzentrationslagern, Heil- und Pflegeanstalten und (psychiatrischen) Kliniken zukam. Waren sie nur ausführende Organe oder besaßen sie auch Handlungsspielräume? Und wenn ja, wie sahen diese konkret aus? Auch die Zeit nach 1945 wird in den Blick genommen. Welche Rolle spielte eine mögliche NS-Vergangenheit für die Pflegerinnen und Pfleger nach 1945? Zeigen sich eher Kontinuitäten oder Brüche? Fand eine Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen im Kreis der Pflegenden statt?
Die Krankenpflege ist heute kein reiner Frauenberuf mehr. Aber ist sie je ein solcher gewesen? Zwar waren Männer ab dem späteren 19. Jahrhundert eine Minderheit in der Pflege, aber niemals eine Ausnahmeerschein
...show allung. Wie also kam es dazu, dass pflegende Männer als Normabweichung wahrgenommen wurden? Dieser Frage geht Christoph Schwamm nach. Lange Zeit dominierten in Deutschland Schwesternschaften und Mutterhäuser die Kliniken, eine rigide Geschlechtertrennung zwischen männlichen und weiblichen Pflegekräften war das Ergebnis. Dies änderte sich in Westdeutschland mit den großen strukturellen Reformen um 1970, in der DDR hatte dieser Prozess bereits 20 Jahre zuvor begonnen. Ab diesem Zeitpunkt wurden Männer in der Pflege gemeinsam mit den Frauen ausgebildet, sie engagierten sich in den gleichen Berufsorganisationen, absolvierten die gleichen Fort- und Weiterbildungen und hatten grundsätzlich die gleichen Karrierechancen. Das Ziel war es, aus dem "Liebesdienst" einen modernen und geschlechtsneutralen Angestelltenberuf zu machen. Stattdessen wurden weibliche Pflegekräfte zunehmend sexualisiert, während sich die pflegenden Männer von einer Selbstverständlichkeit zur gesellschaftlichen Anomalie wandelten.
Ein Sterben in Würde - das war das Ziel einiger engagierter Menschen, die das Sterben in unseren Krankenhäusern, abgeschoben ins Badezimmer, nicht länger hinnehmen wollten. Die Hospizbewegung war geboren. Aussc
...show allhließlich ehrenamtlich begleiteten Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal, Seelsorgerinnen und Seelsorger gemeinsam mit engagierten Frauen Sterbende bis zu ihrem Lebensende - und sie fanden Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Die Hospizbewegung wurde ein Erfolg. Doch mit dem Erfolg kam der Eintritt in das Gesundheitswesen und damit verbunden entstanden Organisationen, Hierarchien und in palliative care ausgebildetes Personal. Viele Ehrenamtliche fühlten sich dadurch degradiert und an den Rand gedrängt. Doch in den letzten Jahren trat ein Generationenwechsel ein: Die neue Generation von Ehrenamtlichen besitzt andere Werte und Erwartungen an das Ehrenamt als ihre Vorgänger. Aber auch die Hospizbewegung selbst professionalisiert sich zunehmend. Die spannende Frage nach der Zukunft des Ehrenamtes im Hospiz ist noch nicht geklärt.
Sebastian Knoll-Jung analysiert Arbeitsunfälle im Kaiserreich und der Weimarer Republik aus zwei Perspektiven: Aus sozialgeschichtlicher Sicht befasst er sich mit Wirkung und Akzeptanz der 1884 eingeführten Unf
...show allallversicherung. Aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive liegt der Fokus in der männlich-dominierten Arbeitswelt der Untersuchungszeit primär auf Arbeitsunfällen von Männern. Knoll-Jung untersucht die gesamte Bandbreite der Arbeitsunfallthematik - vom Gefahrenbewusstsein, der Unfallverhütung, der Ursachenebene bis zur Folgenbewältigung in gesundheitlicher, finanzieller wie gesellschaftlicher Hinsicht. Die Analysekategorie Männlichkeit zeigt sich im Spannungsfeld mit ökonomischen Einflussfaktoren. Rollenerwartungen, Schmerzunterdrückung und Ablehnung von Heilbehandlungen erwiesen sich als gesundheitsgefährdend. Männlich konnotierte Unfallursachen waren Leichtsinn, Spielerei, Mutproben, Alkoholkonsum und Gewalt. Als protektive Faktoren stellten sich hingegen die Rolle des Familienernährers und der Unterstützungsnetzwerke im Kollegenkreis heraus. Als Quellenbasis wird auf Selbstzeugnisse, Arbeiterpresse, Unfallakten und -gutachten rekurriert.
Der Steinkohlenbergbau des Ruhrgebiets versorgte den wirtschaftlichen Boom der frühen Bundesrepublik mit dringend benötigter Energie. Als Kehrseite des wachsenden Wohlstands spielte sich in den Zechen und Berga
...show allrbeitersiedlungen Westdeutschlands eine gesundheitliche Katastrophe ab, die außerhalb des Reviers weitgehend in Vergessenheit geraten ist: Die Staublunge machte aus stolzen Bergleuten ans Bett gefesselte Frührentner und forderte jährlich weit mehr Leben als die spektakulären Grubenunglücke und täglichen Arbeitsunfälle. In seiner Studie zeichnet Daniel Trabalski nach, wie die bundesrepublikanische Öffentlichkeit dieser Bewährungsprobe für den jungen Sozialstaat begegnete, wie der Wissenschaft die Rolle zufiel, das Problem zu lösen, und wie Mediziner, Naturwissenschaftler und Bergbauexperten zwischen Forscherehrgeiz, politischen und moralischen Ansprüchen und der widerspenstigen Realität der untertägigen Arbeitswelt den unheimlichen Bergmannsfluch zu bannen und in ein kalkulierbares und steuerbares Risiko zu verwandeln suchten.
Die Pflege und der Umgang mit erkrankten Mitmenschen haben sich im Laufe der Jahrhunderte stark gewandelt. Jens Hartz beleuchtet umfassend die Geschichte der Krankenpflege in der griechisch-römischen Antike bis
...show allzur frühchristlichen Zeit aus althistorischer Perspektive. Er zeigt die Entwicklung der Pflegepraktiken von der Unterstützung durch Familienangehörige, Sklaven sowie medizinisches Personal bis hin zu institutionellen Formen der Krankenpflege und der Veränderung durch christliche Wohltätigkeit auf. Hartz widerspricht der etablierten Meinung aus der Medizin- und Religionsgeschichte, dass die europäische Pflegegeschichte erst mit dem antiken Christentum begann. Er untersucht die medizinischen Texte von Hippokrates bis Galen sowie antike Berichte über Seuchen, Gerichtsreden, Historien, Briefe, philosophische und religiöse Texte und Inschriften. Diese liefern ihm wertvolle Informationen zu Patienten und pflegenden Personen. Eine kritische Reflexion über die Umsetzung von Krankenpflege und Wohltätigkeit durch das antike Christentum rundet schließlich die Neuinterpretation der Krankenpflege in den Lebenswelten der paganen Antike ab.
Im Zentrum der 2. International Conference on Nursing History, die in Stuttgart im Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung stattfand, stand der Pflegealltag und die Praxis der Pflegenden -
...show allin verschiedenen Arbeitsmilieus und unter Einbeziehung der Kategorien Geschlecht, Religion und Rasse. Besondere Beachtung findet in den Beiträgen die im deutschen Sprachraum bislang vernachlässigte Gemeinde- und Hauspflege von der ersten Hälfte des 19. bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ergänzt durch Studien zur Psychiatriepflege, zur Krankenpflege in Spezialeinrichtungen und im Ausland. Die Erwartungen an die Pflegenden und deren Auswirkungen auf den Arbeitsalltag und das Berufsverständnis bilden den zweiten Schwerpunkt des Bandes. Hier nehmen die Autoren vor allem die "kranken Schwestern", evangelische Schwestern und die ökonomische Position der Krankenpflege im Krankenhaus in den Blick.
Wollten Sie immer schon einmal wissen, was Sie da eigentlich im Gesicht tragen? Ob Ihr persönlicher Bartstil eher aristokratischen, demokratischen oder religiösen Ursprungs ist? Warum die 1980er Jahre eine Bart
...show allödnis waren, das 21. Jahrhundert hingegen geradezu verrückt nach Bärten ist? In diesem Buch erläutern Wissenschaftler und Journalisten mal spielerisch-essayistisch, mal gewissenhaft-akademisch die vielfältigen Formen, Bedeutungen und historischen Hintergründe von Bärten. Von homophoben Priestern über sendungsbewusste Revolutionäre bis hin zu experimentierfreudigen Musikern - die Ahnengalerie unserer Bartmoden steckt voller Überraschungen und Widersprüche. Heute erlebt der Bart eine verblüffende Renaissance, die Möglichkeiten seiner Gestaltung scheinen fast grenzenlos - Anything Grows.
Wie kein anderes Behandlungskonzept hat die Arbeit als therapeutisches Mittel die Anstaltspsychiatrie von Beginn an begleitet und hat noch heute - wenn auch in stark veränderter Form - ihren festen Platz im The
...show allrapieangebot psychiatrischer Einrichtungen. Trotz dieses herausragenden Stellenwerts, den sie einnahm und einnimmt, ist sie bisher kaum erforscht. Dieser Band bietet nun erstmals einen historischen Überblick über das therapeutische Konzept von Arbeit und dessen Bedeutung für die Behandlung psychisch Kranker seit dem frühen 19. Jahrhundert bis in die NS-Zeit. Die Beiträge beleuchten quellennah und mit unterschiedlichen Schwerpunkten die Praxis der Arbeitstherapie in einzelnen Anstalten und setzen diese in den Kontext der politischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen ihrer Zeit. So werden Brüche und Kontinuitäten des arbeitstherapeutischen Konzepts, sich wandelnde Zielsetzungen wie auch die vielfältigen Effekte seiner Anwendung sichtbar. Soziologische und philosophische Annäherungen erweitern zudem den Blick auf die unterschiedlichen Konzepte von Arbeit und ihrer Funktionalisierung durch die Psychiatrie.
Heute konsumieren Frauen mehr Arzneimittel als Männer - doch das war in der Vergangenheit nicht immer so. Annika Hoffmann untersucht, wie viele und welche Medikamente Männer und Frauen in früheren Jahrhunderten
...show allerhielten. Sie zeigt, dass männliche Erwachsene noch bis vor gut 150 Jahren mehr ärztlich verordnete Arzneimittel in Apotheken erwarben als weibliche. Erst seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts überwiegt die Menge der an Frauen abgegebenen Medikamente. Die Veränderungen im Arzneimittelkonsumverhalten lassen sich an den Apothekenregistern ablesen: Analysiert werden Rezeptkopierbücher, in denen Apotheker täglich erfassten, wie viele und welche Medikamente sie an Männer, Frauen und Kinder abgaben. Zahlreiche Grafiken und Tabellen illustrieren diese gut verständliche Untersuchung, die erstmals den geschlechterspezifischen Arzneimittelkonsum in historischer Perspektive beleuchtet.
Welchen Arbeitsbelastungen sind Ärzte ausgesetzt? Was sind deren gesundheitliche Folgen? Und wie stehen Ärzte zu ihrer eigenen Gesundheit? Anhand von Quellen aus öffentlichen und privaten Archiven in Deutschlan
...show alld sowie aus ärztlichen Standes- und Fachzeitschriften zeigt Sebastian Wenger, dass das Gesundheits- und Krankheitsverhalten der Ärzte auf einem spezifischen, ärztlichen Habitus beruht. Dieser ist geprägt von Idealen der Leistungsfähigkeit, der Aufopferungsbereitschaft und der Unverwundbarkeit. Er entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und besteht bis heute fort. Ein Resultat dieses Habitus ist das Leugnen von physischen und psychischen Leiden, welches mit der Selbstbehandlung einhergeht. Erst in einem späten Stadium ihrer Erkrankung suchen sich Ärzte professionelle Hilfe. Die Fassade des gesunden und leistungsfähigen Mediziners soll in jedem Fall aufrechterhalten und damit die Kompetenz des Gesundheitsexperten gewahrt werden. Wenger sieht darin in Kombination mit den Rahmenbedingungen in Praxis und Klinik sowie den damit verbundenen Belastungen die Hauptursache für die Anfälligkeit der Ärzte für einen Suizid oder bestimmte Krankheiten wie psychische Störungen und die Entwicklung einer Betäubungsmittelsucht.
Palliativmedizin wird häufig als ein Phänomen des 20. Jahrhunderts beschrieben, begründet durch die Pionierarbeit von Cicely Saunders und anderen. Es finden sich jedoch bereits in der Frühen Neuzeit Hinweise, d
...show allass sich die zeitgenössischen Ärzte um ihre schwerst erkrankten Patientinnen und Patienten bemühten und ihre Leiden lindern wollten. Charlotte Dellmann legt in ihrer Studie anhand von Leichenpredigten der Frühen Neuzeit dar, welche Maßnahmen von ärztlicher Seite zur Symptom- und Leidenslinderung sterbender Menschen ergriffen wurden - ob sich also genaue Belege für Palliativmedizin in der Frühen Neuzeit finden lassen. Im Rahmen dieser Arbeit wurden die in Leichenpredigten enthaltenen Sterbeberichte von über 500 frühneuzeitlichen Verstorbenen untersucht: Erhielten sie eine medizinische Behandlung? Wenn ja, mit welcher Therapieintention? Waren Ärzte, Geistliche oder Laien in die Sterbebegleitung involviert? Und was für Maßnahmen wurden durchgeführt oder auch unterlassen? Dellmanns umfangreiche Studie rekonstruiert ein genaueres und beeindruckendes Bild ärztlichen Handelns am Kranken- und Sterbebett.
Wie sah der Alltag eines Arztes im 19. Jahrhundert aus? Welche Faktoren bestimmten seine Praxis? Diese Fragen beantwortet Marion Baschin in ihrer sozialgeschichtlichen Untersuchung der ärztlichen Tätigkeit von
...show allFriedrich Paul von Bönninghausen (1828-1910). Bönninghausen praktizierte zwischen 1864 und 1910 in Münster in Westfalen als Homöopath. Er hatte die Praxis von seinem Vater Clemens von Bönninghausen übernommen und führte wie er Krankenjournale. Die quantitative und qualitative Auswertung einer repräsentativen Auswahl dieser Journale erlaubt einen Einblick in die alltägliche Praxis des homöopathischen Arztes. Dabei werden die Persönlichkeit Bönninghausens, seine Kenntnisse sowie die Klientel seiner Praxis, die dort behandelten Krankheiten und alle Aspekten der administrativen, kommunikativen und therapeutischen Gestaltung der ärztlichen Tätigkeit betrachtet. So kann der Alltag einer wohl weitgehend "durchschnittlichen" homöopathischen Arztpraxis im ausgehenden 19. Jahrhundert rekonstruiert werden. Dabei fällt vor allem auf, dass die homöopathische Praxis Bönninghausens denjenigen anderer Ärzte ähnlicher ist, als man vermuten könnte.
Aus der Einleitung: Gegenstand der Untersuchung ist nicht allgemein die ärztliche Profession, sondern näher ins Auge gefaßt werden sollen der organisatorische Aufbau und das Handeln der sie repräsentierenden ä
...show allrztlichen Spitzenverbände. Eine solche Verengung auf eine historische Verbands- oder Institutionenenforschung erscheint insofern gerechtfertigt, als wesentliche Teile des ausgewerteten Aktenmaterials, die über die vorliegenden veröffentlichten Materialien hinaus einen umfassenden Einblick in die Binnenstruktur der ärztlichen Spitzenverbände ermöglichen, der Forschung bisher nicht zur Verfügung standen. Hierbei handelt es sich neben den Aktenresten aus den Geschäftsführungen der Bundesärztekammer und der Landesärztekammern vor allem um die Handakten Carl Oelemanns sowie um die Geschäftsführungsakten der Arbeitsgemeinschaft der Landesstellen der Kassenärztlichen Vereinigungen seit 1948.
Throughout antiquity patients sought relief and healing from their afflictions in the sanctuaries of Asclepius, the God of healing. The Asclepian healing cult included sacrifices, ablutions and incubation. In t
...show allheir dreams, the patients received therapeutic instructions. But not only miraculous cures occurred in the Asclepieia, nor were these sacred sites the last refuge of the seriously ill. Using selected examples from the Roman Imperial Period, Florian Steger outlines the healthcare provided in the prominent Asclepian sanctuaries - Epidaurus and Pergamum in particular - and demonstrates that this healthcare was on a par with the contemporary medical culture. Ancient epigraphic healing reports and the patient journal of the celebrated orator Publius Aelius Aristides paint a vivid picture of the daily treatments. The medicine of Asclepius clearly formed an integral part of the Roman Empire's multifaceted healthcare market.
In den Heiligtümern des Heilgottes Asklepios suchten Patienten während der gesamten klassischen Antike Linderung und Heilung ihrer Leiden. Der damit verbundene Heilkult beinhaltete Opfer für Asklepios, rituelle
...show allWaschungen und den Inkubationsschlaf. Die Träume enthielten Therapieanweisungen. In den Asklepieien fanden weder ausschließlich Wunderheilungen statt, noch waren diese Heiligtümer Orte der letzten Hoffnung für schwer Kranke. Anhand von ausgewählten Beispielen aus der römischen Kaiserzeit beschreibt Florian Steger einerseits den Kurbetrieb in den prominenten Heiligtümern des Asklepios, vor allem in Epidauros und Pergamon; andererseits kann er zeigen, dass ebendort eine Medizin auf der Höhe der damaligen Zeit praktiziert wurde. Die inschriftlich überlieferten Heilungsberichte und das Krankenjournal des gefeierten Redners Publius Aelius Aristides gewähren einen lebhaften Einblick in den medizinischen Alltag. Die Asklepiosmedizin fügt sich somit in einen differenzierten Gesundheits- und Heilermarkt der römischen Kaiserzeit ein.
Was lernten eine Bürgerstochter oder ein junger Adeliger um 1800 über Körper, Gesundheit und Krankheit? Welche Rolle spielten dabei die Familie, die Schule und die Medien? Wie wichtig war ihnen überhaupt Gesund
...show allheit? Hielten sie die Stadtluft für schädlich, die Landluft für gesundheitsförderlich? Hielten sie eine "gesunde Ernährung" für wichtig? Welche Hausmittel kannten Frauen, aber auch Männer? Wie halfen sie sich im Krankheitsfall selbst? Wie gingen sie später als Eltern mit den Krankheiten der Kinder um? Förderten Sie Bewegung und Abhärtung? Was hielten sie von Impfungen, den unterschiedlichen Therapien, den Arzneien und ihren Preisen? Wie entschieden sie zwischen konkurrierenden Angeboten wie der Schulmedizin und der Homöopathie? Die vielen Briefe, die die Schriftsteller Bettine und Achim von Arnim hinterlassen haben, geben Antworten auf diese Fragen. Auf ihrer Grundlage legt Martin Dinges mit diesem Band die Gesundheitsgeschichte einer Familie des 19. Jahrhunderts vor. Er untersucht darüber hinaus Bettines öffentliches Engagement für die Gesundheitsversorgung der Unterschichten sowie für den medizinischen Pluralismus im Vormärz und analysiert, wie sie ihr "medizinisches Erbe" innerhalb der Familie weitergab - und ob die nächste Generation es annahm.
While Darwin's grand view of evolution has undergone many changes and shown up in many facets, there remains one outstanding common feature in its 150-year history: since the very beginning, branching trees hav
...show alle been the dominant scheme for representing evolutionary processes. Only recently, network models have gained ground reflecting contact-induced mixing or hybridization in evolutionary scenarios. In biology, research on prokaryote evolution indicates that lateral gene transfer is a major feature in the evolution of bacteria. In the field of linguistics, the mutual lexical and morphosyntactic borrowing between languages seems to be much more central for language evolution than the family tree model is likely to concede. In the humanities, networks are employed as an alternative to established phylogenetic models, to express the hybridization of cultural phenomena, concepts or the social structure of science. However, an interdisciplinary display of network analyses for evolutionary processes remains lacking. Therefore, this volume includes approaches studying the evolutionary dynamics of science, languages and genomes, all of which were based on methods incorporating network approaches.
Unversorgte Kinder in städtischen Gesellschaften brauchten nicht nur einen besonderen Schutz, sie stellten Kommunen auch vor die Herausforderung, ihre Entwicklung und Ausbildung zu gewährleisten. Das Ulmer Fund
...show allenhaus war vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert Anlaufstelle für unversorgte Kinder der Region. Gegenüber anderen frühneuzeitlichen Findel- und Waisenhausgründungen des deutschsprachigen Raums weist das Fundenhaus einige Besonderheiten auf: So wurde in Ulm dauerhaft auf eine gewerbsmäßige Ausbeutung der kindlichen Arbeitskraft verzichtet und schon früh eine hauseigene medizinische Versorgung für die Kinder etabliert. Maria Griemmert beschreibt den Stellenwert, den die Fundenkinder und ihre Institution im urbanen Kosmos der Reichstadt hatten: Welche Kinder fanden überhaupt Eingang in die Institution? Welches Finanzierungsmodell trug das Haus durch die Jahrhunderte? Welche Erziehungsideale und Strafkonzepte prägten den Alltag der Kinder? Und wie wurde ihre Gesundheitsfürsorge begriffen? Griemmert leistet mit diesem Band einen Beitrag zur historischen Dimension von Medikalisierung, Stigmatisierung und Teilhabe im gesellschaftlichen Umgang mit unversorgten Kindern.
Prävention und Gesundheitsförderung avancierten spätestens seit den 1970er Jahren in einem immer teurer werdenden Gesundheitssystem zu einem zentralen Leitgedanken der Gesundheitspolitik. Mit der Frage nach dem
...show all"präventiven Selbst" stellt Pierre Pfütsch seine Forschungen in den Kontext von Biopolitik und Gouvernementalität, die gegenwärtig in der zeitgeschichtlichen, soziologischen und gesundheitswissenschaftlichen Diskussion zu Prävention das herrschende Paradigma sind. In den Fokus rücken dadurch die komplexen Interaktionen zwischen den verschiedenen Akteuren und das spezifische Interesse der adressierten historischen Subjekte. Pfütsch geht davon aus, dass in der Gesellschaft bestehende Geschlechterleitbilder Auswirkungen auf ein inkorporiertes Selbsthandeln von Männern und Frauen haben. Er analysiert die Geschlechterspezifik von Präventionsangeboten verschiedener Akteure, wie der staatlichen Gesundheitsaufklärung, der Volkshochschulen oder der privaten Gesundheitsbranche. Auf diese Weise arbeitet er die im Kontext der Gesundheitsprävention vorherrschenden Geschlechterbilder in Westdeutschland heraus und verortet sie in ihrem historischen Kontext.
Durch die Entwicklungen der modernen Medizin und Biotechnologie werden lange Zeit vorhandene Gewissheiten darüber, was die Begriffe "Krankheit" und "Gesundheit" bedeuten, zunehmend in Frage gestellt. Zugleich n
...show allehmen diese Begriffe in den verschiedensten medizinethischen Kontexten wie etwa der Debatte um das "Enhancement" immer stärker die Funktion von normativen Begriffen ein, die legitime von illegitimen Handlungen trennen. Der Band vereinigt vor diesem Hintergrund in Beiträgen renommierter Autoren die wissenschaftstheoretische Kontroverse mit der praktisch-ethischen Reflexion über die normativen Folgen des Verständnisses von Krankheit und Gesundheit. New developments in modern medicine and biotechnology put long time certitudes about the meaning of "health" and "illness" more and more into question. Also, these concepts increasingly assume the role of normative concepts, which separate legitimate from illegitimate actions in many contexts of medical ethics, as in the case of "enhancement". This volume brings together the theoretical controversy on the concepts of "health" and "illness" and ethical reflections on the normative consequences of our understandig of these crucial concepts.
Seit dem späten 19. Jahrhundert verbreitete sich das neue nahtlose Gummikondom in der deutschen Gesellschaft. Wolfgang König legt nun erstmals eine wissenschaftliche Monografie über das Kondom vor - einen Gegen
...show allstand, der nicht nur dem Schutz vor Geschlechtskrankheiten und der Geburtenregelung diente, sondern im höchsten Maße einer moralischen Wertung unterlag. König untersucht die Entwicklung und Interpretation des Kondoms als materielles Mittel und als symbolischen Ausdruck des Sexualverhaltens in vier politischen Systemen: dem Kaiserreich, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus und der Bundesrepublik. In der offiziösen Moral des Kaiserreichs galt das Kondom noch als Verkörperung der Unzucht. Seit der Zwischenkriegszeit wurde es mehr und mehr in das Sexualleben integriert. Erst in der Nachkriegszeit jedoch wandelte es sich zu einem akzeptierten Alltagsgegenstand, befördert von Liberalisierungen der Sexualmoral und des Sexualstrafrechts sowie der Bekämpfung von Aids. Die Studie umfasst verschiedene Aspekte des Kondoms zwischen Technik und Gesellschaft - von gummitechnischen Verbesserungen, Werbekampagnen und Vertriebswegen bis hin zu moralischen Positionen sowie rechtlichen Regelungen.
1917 haben die bolschewistischen Machthaber eine Umwälzung des vom alten Regime hinterlassenen Gesundheitssystems gestartet. Angestrebt wurde, die ethische Kultur der „bürgerlichen Medizin“ zu zerstören und ins
...show allbesondere das Arztgeheimnis aufzuheben. In der Folgezeit zeigte sich jedoch, wie weit dieser Kontrollanspruch und die realen Möglichkeiten, ihn auszuüben, auseinanderlagen und wie eng die Auseinandersetzung um die ärztliche Ethik mit dem Dilemma zwischen gesamtgesellschaftlicher und funktioneller Rationalität der Medizin zusammenhing.
Die Renaissance-Hospitäler bieten erstmals eine professionelle Betreuung für die Patienten auf dem aktuellen medizinischen Wissensstand. Sie spielen als städtische Einrichtungen zugleich auch eine lebenswichtig
...show alle Rolle in der Gesunderhaltung der Stadt. Und nicht zuletzt entspricht ihre bellezza dem zeitgenössischen Architekturprinzip der Beziehungen zwischen Schönheit und Funktion. Auf diese Weise verbindet das Renaissance-Hospital die Heilung des Körpers mit dem Heil für die Seele.Das Hospital ist somit emblematisch für einige der kulturellen, politischen und sozio-ökonomischen Entwicklungen und Errungenschaften der Florentiner Renaissance, und die Beschäftigung damit ist gleichermaßen bedeutsam für die Historiografie wie für die Medizingeschichte.John Hendersons grundlegende Studie bietet ein neues, dynamisches und multidisziplinäres Modell für die Untersuchung des Hospitals als eines Mikrokosmos der Stadt selber.
Die jüdische Krankenschwester Rosa Bendit arbeitete als Angehörige der sog. "freiwilligen Krankenpflege" in den Kriegslazaretten des Ersten Weltkrieges. Ihr Einsatz, der drei Jahre dauern sollte, führte sie von
...show allBreisach an der französischen Grenze nach Serbien, Frankreich und wieder in den Osten nach Rumänien. Der Besonderheit ihres Tuns bewusst, verfasste sie, wie viele ihrer Kolleginnen auch, ein Tagebuch. Nur wenige dieser Kriegsdokumente sind erhalten geblieben. Noch wesentlich schlechter ist die Überlieferung solcher Ego-Dokumente jüdischer Autoren und Autorinnen. Das hiermit edierte Tagebuch einer jüdischen Kriegskrankenschwester ist daher ein besonderer Glücksfall. Rosa Bendit erzählt von den alltäglichen Erlebnissen während ihres dreijährigen Einsatzes in verschiedenen Kriegslazaretten aus jüdischer Sicht.
Im "Dritten Reich" mußten Zwangsarbeitende aus zahlreichen europäischen Ländern unter einer unmenschlichen Lebenssituation, mangelnder Gesundheitsversorgung und Krankheiten oder Verletzungen aufgrund der extrem
...show allen Arbeitsbedingungen leiden. Im vorliegenden Band beschreiben und analysieren achtzehn Autorinnen und Autoren historische und moralische Dimensionen der Probleme von Zwangsarbeitenden im Gesundheitswesen während der Zeit von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg. Grundlegende Beiträge zur systematisch reduzierten medizinischen Versorgung in verschiedenen regionalen Krankenhäusern, Universitätskliniken oder Lagern bzw. Ausländerbaracken werden ergänzt durch eindrückliche Erfahrungsberichte von Zeitzeugen und Opfern der NS-Zeit.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in deutschen Psychiatrien umfangreiche Fotosammlungen. Die Bilder zeigen psychisch kranke Patienten, die in der Regel von den Klinik-Ärzten fotografiert wurden. Welche
...show alln Sinn hatten solche Bilder und wofür wurden sie verwendet? Welche Begründungen lieferten die Mediziner für ihre Vorgehensweise und wie entwickelten sie eine ganz eigene Bildsprache der "psychopathologischen Porträts"? Klar ist, dass diagnostische oder wissenschaftliche Ziele zweitrangig waren. In einer Zeit, in der die deutsche Gesellschaft eine krankhafte Unterwanderung befürchtete, wollten Psychiater eine sichtbare Grenze zwischen Gesunden und Kranken ziehen. Für ihre Fotos liehen sie sich Symbole und Stilmittel aus der Kunst, um ihre Patienten als Gegenteil der eigenen Normen und Moralvorstellungen zu inszenieren. Die psychiatrische Patientenfotografie ist bisher weitgehend unerforscht. Dieser Band stellt sie nun erstmalig umfassend vor und ordnet sie in ihren medizin- und kulturhistorischen Zusammenhang ein.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begegnet die deutschsprachige Medizin dem "Anderen": dem als "Orient" konstruierten Südosten Europas, dem Osmanischen Reich und den Gebieten Nordafrikas, Persiens und der arabisch
...show allen Halbinsel. In der Fachliteratur, in Debatten und in den Erfahrungen vor Ort tätiger Ärzte spiegelt sich die Begegnung unterschiedlicher medizinischer Systeme - die "akademische Medizin" integriert das Wissen der heilkundlichen Lehren des Osmanischen Reichs, nutzt es als Experimentierfeld und Erfahrungsraum. Später verändert sich die Position der ärztlichen Akteure: Von Beobachtern und vereinzelt Teilnehmenden werden auch deutschsprachige Ärzte im Osmanischen Reich und Ägypten zu Betreibern eines grundlegenden strukturellen Wandels, der auf eine Verdrängung der traditionellen heilkundlichen Methoden abzielt. Die Periode einer als "Modernisierung" und "Reform" verstandenen Machtübernahme europäischer medizinischer Strukturen im Osmanischen Reich beginnt. Marcel Chahrour wirft einen Blick auf die Vorgeschichte dieser "Reformperiode" und zeigt vom Standpunkt Wiens, wie die sich verändernde Medizin Europas das "Andere" konstruiert, während sie sich selbst findet.
Der Ulmer Arzt Johann Franc (1649-1725) hinterließ unter dem Titel "Ephemeris" eine in ihrer Art einzigartige Sammlung medizinischer Fallbeobachtungen aus seiner Praxis. Von eigener Hand mit einer Fülle farbige
...show allr Zeichnungen verziert, schildert Franc in seinen Aufzeichnungen detailreich die Erkrankungen seiner Patientinnen und Patienten, Untersuchungen und Behandlungen. Dabei erscheint der Arzt als streitbarer Gelehrter, der nicht mit Kritik an seinen Ulmer Standeskollegen geizt und sich in beigefügten Kommentaren mit den medizinischen Theorien seiner Zeit auseinandersetzt. Die Autorinnen und Autoren werten die "Ephemeris" unter Berücksichtigung weiterer Zeugnisse zu Johann Francs Leben und Schaffen unter vielfältigen Aspekten aus. Ihre Analysen vermitteln ein anschauliches Bild des medizinischen Alltags in Ulm um 1700 und decken Francs Vernetzung im innerstädtischen wie territorialen Kontext auf.
Das Problem der Versorgung verwundeter und erkrankter Soldaten beschäftigt die Menschheit seit der Existenz von Kriegen. Das unterentwickelte Militärsanitätswesen der europäischen Armeen war jedoch bis in das 1
...show all9. Jahrhundert hinein nicht in der Lage, seinen Aufgaben gerecht zu werden - die freiwillige Kriegskrankenpflege entstand. Dass ihre Entwicklung nicht allein auf international bekannte Protagonisten wie Henry Dunant und das Internationale Rote Kreuz beschränkt werden kann, zeigt Annett Büttner mit dieser Arbeit. Im Fokus steht dabei die Kriegskrankenpflege in den sogenannten Deutschen Reichseinigungskriegen der Jahre 1864 bis 1870/71. Da die Rot-Kreuz-Organisationen in diesem Zeitraum erst entstanden, lag die Hauptlast der Arbeit auf den evangelischen Diakonissen und Diakonen sowie katholischen Schwestern. Sie waren die ersten zivilen Pflegekräfte im Kriegseinsatz. An Hand von Briefen und Berichten wird ihren Intentionen und Bewältigungsstrategien nachgegangen und der Pflegealltag in den Lazaretten rekonstruiert. Ein Ausblick auf die Entwicklung der freiwilligen Kriegskrankenpflege bis zum Ersten Weltkrieg rundet die Darstellung ab.
Von September 1939 bis Mai 1945 wurden im Reservelazarett der Tübinger Universitätsnervenklinik ungefähr 6000 Soldaten und Angehörige der Wehrmacht behandelt. Ausgehend von den Krankenakten dieser Patienten zei
...show allchnet Jörg Wagenblast in seiner medizinhistorischen Lokalstudie den Behandlungsalltag in dieser Einrichtung nach. Der Autor rückt vor allem Soldaten, die auf die Schrecken des Krieges mit psychischer Krankheit reagierten, in den Blick: Wie ordneten die Ärzte derartige Fälle in ihr ätiologisches Gefüge ein, das von einer unbegrenzten Belastbarkeit der menschlichen Seele ausging? Wie entschieden sie, wenn es darum ging, derartige Störungen vor dem Hintergrund einer radikal durchgreifenden Wehrmachtjustiz von Simulation abzugrenzen? Zu welchen Mitteln griffen sie, um diese Soldaten wieder bereit zu machen für den Einsatz an der Front? Anschaulich und differenziert zeigt der Autor auf, wie sich die Lazarettärzte durch die Einbindung in militärische Strukturen immer stärker mit den Zielen des kriegsführenden NS-Regimes identifizierten und unter den Bedingungen des Krieges die Grenzen zwischen Therapie und Disziplinierung zerfließen. Dabei werden aber auch die Besonderheiten deutlich, welche die Praxis in Tübingen von der in Berlin koordinierten Militärpsychiatrie abhoben.