Mehr als eine Million Kinder und Jugendliche wurden nach der Katastrophe von Tschernobyl zusammen mit tausenden von Begleitpersonen auf Reisen geschickt, um sich von der Strahlenexposition, zunehmend aber auch
...show allvom Alltag in der (post-)sowjetischen Zusammenbruchsgesellschaft zu erholen. Um diese »Tschernobylkinder« bildete sich ein dichtes transnationales Netzwerk von NGOs und Privatpersonen. Es übernahm immer mehr Aufgaben, die der Staat nicht mehr leisten konnte. Das mit der Öffnung der Sowjetunion einsetzende weltweite Engagement trug dazu bei, den atomaren Unfall, der in weiten Teilen der Welt zunächst als »typisch sowjetisch« galt, als transnationale Katastrophe sicht- und wahrnehmbar zu machen, indem es die Realität der Katastrophe in den Alltag hunderttausender Menschen in Europa und Nordamerika holte. Arndt zeigt, wie die »Tschernobylkinder« zugleich zu Zeugen und Repräsentanten eines untergehenden politischen Systems und der Auflösung der bipolaren Weltordnung wurden.
Florence Nightingale (1820-1910) ist weltberühmt, aber wenig bekannt. Um ihren Namen ranken sich vor allem Legenden und Stereotype. Doch wer war diese Frau, der ungezählte Menschen ihr Leben verdanken? Mit ihre
...show alln innovativen Methoden revolutionierte sie die Krankenpflege. Kaum jemand weiß, welche Widerstände sie dafür überwinden musste. Dieses Lebensbild zeichnet anschaulich ihre äußere und innere Entwicklung nach. Wie sie ihre Berufung erkannte und lernte, zu ihr zu stehen. Und wie sie trotz Rückschlägen die Kraft fand, gerade als Frau das Korsett der gesellschaftlichen Erwartungen zu sprengen und ihre Berufung zu leben. In zahlreichen Quellentexten kommt Florence Nightingale selbst zu Wort.
Wilhelm Kütemeyer hat sich der Dynamik zwischen somatischen und geistig-seelischen Vorgängen nicht nur theoretisch, sondern auch therapeutisch gewidmet. Er sprach in einem nicht-polemischen Sinne von »Krankheit
...show allder Gesellschaft« und sozialen Pathologien, die es von der medizinischen auf eine gesellschaftspolitische Ebene zu heben gelte: insbesondere Depressionen, aber auch Stigmatisierungen körperlicher und seelischer Krankheiten im Alltag. Der Band stellt philosophische und medizinische Schriften zusammen, u.a. auch bislang unveröffentlichte Vorlesungen, in denen Kütemeyer seine Therapie an Krankengeschichten dokumentiert. Weitere Beiträge erschließen Biographie und Wirken Kütemeyers.
Arzneimittelforschung - innovativ, herausragend, richtungsweisend Beim Vergleich des Arzneischatzes des Jahres 1900 mit dem von 2000 werden die außerordentlichen Fortschritte der medikamentösen Therapie klar
...show allersichtlich. Zahlreiche Medikamente, die heute als lebenswichtig gelten, waren vor 100 Jahren noch nicht verfügbar. Beispielhaft seien Antibiotika, Herz-Kreislaufmedikamente, Antiparkinsonmittel, Lipidsenker, Hormone wie Insulin und Cortison oder Vitamine genannt. Ermöglicht wurde deren Entwicklung durch die Intuition, Kreativität, systematische Arbeitsweise sowie Beharrlichkeit zahlreicher Arzneimittelforscher*innen. 66 von ihnen, die besonders herausragen und deshalb auch als "Leuchttürme" bezeichnet werden können, sind hier beschrieben. Der Fokus richtet sich auf ihre wissenschaftlichen Erfolge; eine Kurzvita markiert wichtige Stationen ihres Lebens. Folgen Sie zusammen mit den beiden Autoren dieses Buches, von denen E. Mutschler mehrere der vorgestellten Wissenschaftler persönlich gekannt hat, den faszinierenden Spuren der Arzneimittelforschung vom ausgehenden 19. bis zum beginnenden 21. Jahrhundert!
Die Planung und Durchführung der Krankenmorde zur Zeit des Nationalsozialismus ist ein seit Jahrzehnten intensiv erforschtes Thema. Weniger dezidiert hat sich die historische Forschung bisher jedoch mit den Tät
...show allern beschäftigt. Verena Christ stellt vier Ärzte in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung, die sich 1949 in Tübingen im sogenannten "Grafeneck-Prozess" - benannt nach der gleichnamigen Vernichtungsanstalt in Württemberg - für den Mord an über 10.000 "Gemeinschaftsfremden" verantworten mussten. Christ untersucht, ob sich anhand der verfügbaren Prozessunterlagen ein bestimmter Typus von "Euthanasie"-Arzt identifizieren lässt. Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen den vier Ärzten, die den tausendfachen Mord an ihren Patienten aktiv unterstützten? In welchen Situationen zweifelten sie an ihren Handlungen? Wann retteten sie Patienten oder zeigten sich mitverantwortlich am Krankenmord? Die Autorin legt dar, mit welchen apologetischen Strategien die vier Angeklagten ihr Handeln später zu rechtfertigen versuchten und ordnet dies in den zeitgeschichtlichen Kontext ein. Zudem zeigt sie, welchen Einfluss das milde Urteil auf die Spruchkammerverfahren (Entnazifizierungen) der vier Ärzte hatte und gibt Einblicke in das Leben der Mediziner nach dem Prozess.
Der Patient von heute sucht selbständig nach Information über seine Krankheit und Kontakt zu anderen mit dem gleichen Leiden. Dieses Phänomen ist jedoch nicht neu: Der erste europäische Patientenverein, der Heu
...show allfieberbund von Helgoland, wurde schon 1897 gegründet. Später kamen weitere Organisationen dazu, unter anderem 1951 der Deutsche Diabetiker Bund und 1956 die Deutsche Hämophiliegesellschaft. Seit mehr als einem Jahrhundert also schließen sich Menschen mit bestimmten Krankheiten zusammen, um Aufklärung und Selbsthilfe zu betreiben und ihre politischen Interessen zu vertreten. Damals wie heute begegnen sie dabei der Herausforderung, sich im Gesundheitswesen eine Stimme zu verleihen. Um die heutige medizinische Landschaft zu verstehen, muss uns der historische Hintergrund von Patientenvereinen bewusst sein. Ylva Söderfeldt untersucht die Vorgeschichte der Patientenbeteiligung in der Medizin, die ein neues Licht auf Patienten als medizinische Akteure wirft. Die Annahme, dass Selbsthilfe und Patientengruppen generell subversive Akteure im medizinischen Bereich sind, stellt sie in Frage.
Preis der Leipziger Buchmesse 2020Die Diagnose »Krebs« war früher ein Todesurteil. Heute ist dies nicht mehr der Fall. Es dauerte lange, bis Ärzte, Krankenschwestern, Krebspatienten und ihre Angehörigen sich au
...show allf ihre Gefühle einließen, die Krebskrankheiten auslösen: Zuversicht, Lebensangst, Lebensfreude, Verzweiflung, Mut, Trauer, Leid, Apathie. Bettina Hitzer schildert, wie es zu dieser Gefühlsrevolution in Medizin und Gesellschaft kam. Konfrontiert mit Krebs nehmen wir heute unseren menschlichen Körper anders wahr. Krankheit, Behinderung, Leiden und Tod empfinden wir heute ganz anders, denn wir sind fähig, unsere Gefühle auszudrücken. Heute wird in Krankenhäusern, in Reha-Zentren und bei öffentlichen Kampagnen zur Früherkennung wie auch im Vier-Augen-Gespräch empathischer mitempfunden und dies den Patienten mitgeteilt. Bettina Hitzer schildert historische Zusammenhänge zwischen Krankheit und Gefühl, die bisher kaum beachtet werden.Einfühlsam, beispielhaft und ermutigend schildert sie diese bis heute unbemerkte Kulturgeschichte der Gefühle am Beispiel von Krebs, dem »König aller Krankheiten«. Diese Revolution der Gefühle hat die Medizin grundlegend verändert und die deutsche Gesellschaft erstaunlich gewandelt. Der Mensch steht im Mittelpunkt der Humanen Medizin, die von Technik, Maschinen und Programmen unterstützt wird, ohne unser Gesundheitssystem zu beherrschen. Gefühle helfen zu überleben und im eigenen Leben anzukommen. Gerade Krebserkrankungen zeigen, dass wir dem Leben nicht mehr Tage, aber unseren Tagen mehr Leben geben können - vor allem durch das, was wir empfinden.
Gerade als sich 1918 der Erste Weltkrieg seinem Ende zu neigt, gewinnt eine todbringende Seuche an Fahrt - die sagenhafte Pandemie der Spanischen Grippe. Von Tag zu Tag wächst das Heer der Toten, Epidemiologen
...show allwerden später von weltweit 20 bis 50 Millionen Grippeopfern sprechen. Der bilderreiche Band des Medizinhistorikers Harald Salfellner veranschaulicht die Seuche in ihren globalen Zusammenhängen und Auswirkungen. In 35 Kapiteln schildert der Autor die unklaren Ursprünge, den Verlauf der einzelnen Wellen und das Krankheitsbild der gefürchteten Lungenentzündungen, denen die Ärzte damals weitgehend hilflos gegenüberstehen, das qualvolle Sterben junger Zivilisten und Soldaten, das Verröcheln der Mütter mit dem Säugling im Arm. Unter den Toten sind auch tausende Ärzte und Krankenschwestern, die dem Virus in Ausübung ihres Berufes erliegen. Mit seinen mehr als 280 Abbildungen ist der Band eine faszinierende Zeitreise zu den Schauplätzen dieser größten Gesundheitskatastrophe der Menschheitsgeschichte. Die vorliegende zweite Ausgabe des Werkes wurde mit zahlreichen Bezügen zur COVID-19-Pandemie aktualisiert und erweitert.
Dieses Lesebuch gewährt Einblick in Leben und Wirken von Heinrich Hoffmann, des leidenschaftlichen Erneuerers der Psychiatrie, bissigen Satirikers und fröhlichen Witzbolds, der - eher zufällig und nebenbei - Au
...show alltor eines weltberühmten Kinderbuchs wurde. Autobiografische Texte, Auszüge wissenschaftlicher Veröffentlichungen, Proben von Hoffmanns Talent als Humorist und Tischredner sowie eine kleine Auswahl von Grafiken und Fotografien machen kurz und kundig kommentiert den Leser nicht nur klüger. Sie gewinnen ihn auch für diesen originellen und charmanten Frankfurter Großbürger.
Berlin-Buch ist seit fast 90 Jahren ein Zentrum der biomedizinischen Forschung in Deutschland. 1930 siedelte sich hier das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung (KWIH) an, das mit seinem Programm interdiszi
...show allplinärer Neurobiologie international wegweisend, aber auch beispielhaft für die Selbstmobilisierung medizinischer Wissenschaft im NS-Staat war. 1947 wurde in den Gebäuden des KWIH das Institut für Medizin und Biologie (IMB) der Deutschen Akademie der Wissenschaften gegründet, das schrittweise zum Mittelpunkt der biowissenschaftlich-medizinischen Forschung in der DDR ausgebaut wurde. Die Entwicklung dieses multidisziplinären Institutskomplexes spiegelt die grundsätzlichen Merkmale und Probleme des realsozialistischen Wissenschaftssystems ebenso wider wie den Wandel von Konzepten und Praktiken auf wesentlichen Feldern der experimentellen Biologie und der klinischen Medizin. Bernd Gausemeier verfolgt anhand der Geschichte des Wissenschaftsstandortes Buch die Wechselbeziehungen von Wissenschaft und Politik in drei politischen Systemen sowie globale Entwicklungstendenzen der Lebenswissenschaften im 20. Jahrhundert.
Religion und Medizin stehen seit jeher in einer durchaus ambivalenten Beziehung: Der griechische Asklepioskult, germanische Quellheiligtümer, katholische Wallfahrtsorte oder protestantisch-pietistische Pastoral
...show allmedizin sind Ausdruck dieser Nähe zwischen Religion und Medizin. Die Autorinnen und Autoren greifen das auf und gehen von der Annahme aus, dass sich die Schwierigkeiten unserer Spätmoderne mit dem Thema "religiöse Heiler" - die in den Beiträgen implizit oder explizit angesprochen werden - vor ihrem geschichtlichen Hintergrund besser einordnen lassen. Angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen im Gesundheitswesen ist ein frischer Blick auf religiös inspirierte Formen der Heilung höchst aufschlussreich - nicht nur, um diese zu analysieren, sondern geradezu als Lackmustest für unser Verhältnis zu den spezifischen Denkweisen der modernen Wissenschaft und Medizin.
The healthcare systems of Western States are characterised by complex structures and diverse activities. The authors investigate the conflicts of various professions within the medical market from a historical
...show allperspective, thereby reaching a better understanding of contemporary questions and problems concerning the field of medical care. The focus lies on analysing the establishment of non-physician health professions in their social framework as well as their profession-specific developments. The contributions outline and explore the conflicts within one professional group as well as those between different professional groups. This volume not only examines the history of nursing, but also the history of other non-physician professions such as midwives, diabetes advisors and paramedics. The authors are particularly interested in investigating which player had interpretational sovereignty on the medical market, the social prestige of different health professions, and the profession-specific practices.
Eine differenzierte Betrachtung der Wechselwirkung leiblicher und seelischer Kräfte: Im Zentrum einer ganzheitlichen Medizin steht der Mensch als Einheit von Seele und Leib. Nicht allein der Körper und das an
...show allihm Mess- und Zählbare haben Gewicht sondern ebenfalls die mit ihm aufs engste verbundene Seele: Befund und Befinden sind nicht voneinander zu trennen. Mit dieser Perspektive der Psychosomatik machen sich die beiden Autoren Volker Fintelmann und Markus Treichler für eine von der Anthroposophie inspirierte Medizin stark: Seele und Leib wirken stets zusammen, in Gesundheit wie Krankheit, und prägen so die Individualität jedes einzelnen Menschen. Im vorliegenden umfangreichen Werk geben die beiden bekannten Ärzte einen Einblick in die Medizingeschichte, erläutern Grundgedanken der anthroposophischen Menschenkunde, beschreiben Krankheitsbilder und berichten aus ihrer Praxis, wie der Mensch in den Ausdrucksformen von Seele und Leib sich selbst erkennen und ihr Zusammenwirken beeinflussen kann.
Die große Biographie des Erfinders der IndividualpsychologieAlfred Adler, neben Sigmund Freud und C. G. Jung einer der Urväter der modernen Psychologie, ist der Begründer der Individualpsychologie. 1911 setzte
...show allsich Adler scharf vom Übervater der Psychoanalyse ab. Er wollte eine lebensnahe Psychologie schaffen, die es ermöglicht, den Einzelnen aus seiner individuellen Lebensgeschichte heraus zu verstehen. Seine optimistische positive Lehre wurde rasch sehr populär. In den 1930er Jahren war Adler einer der bekanntesten Psychologen der Welt. Eingebettet in die Zeitgeschichte und aktuelle Forschungserkenntnisse zeichnet Alexander Kluy das Leben Alfred Adlers nach, der, 1870 in Wien geboren, 1937 auf dem Höhepunkt seines Ruhmes unerwartet in Schottland starb. Diese Biographie mit erstmals veröffentlichten Archivfunden zeigt den Menschen Adler - und die bis heute ungebrochene, hochaktuelle Wirkung seines Werks.
Der Jenaer Zoologe Ernst Haeckel zählt zu den bedeutendsten, aber auch umstrittensten Naturwissenschaftlern des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Als begeisterter Anhänger Darwins arbeitete er a
...show alln der Weiterführung und Popularisierung der Evolutionstheorie und wurde damit zu einer Symbolfigur in den Weltanschauungskämpfen der Zeit. Der zweite Band der auf insgesamt 25 Bände angelegten historisch-kritischen Ausgabe dokumentiert mit der Familienkorrespondenz aus dem Zeitraum von August 1854 bis März 1857 die zweite Hälfte der Studienzeit Haeckels bis zu seiner Promotion in Berlin sowie die ersten größeren Reisen nach Helgoland (1854), in die Alpen (1855) und nach Nizza (1856). Während dieser Zeit wurde aus dem ungeliebten Studium der Medizin unter dem Einfluss von Johannes Müller, Albert von Kölliker und Rudolf Virchow ein mit größter Hingabe verfolgter Weg zur wissenschaftlichen Erkenntnis des organischen Lebens. Auf Helgoland entschied er sich endgültig für die Zoologie als Profession. Seine im Anschluss an die Würzburger Assistenzzeit bei Virchow ausgearbeitete Dissertation widmete er, angeregt von Kölliker, der mikroskopischen Anatomie.