Der Ulmer Arzt Johann Franc (1649-1725) hinterließ unter dem Titel "Ephemeris" eine in ihrer Art einzigartige Sammlung medizinischer Fallbeobachtungen aus seiner Praxis. Von eigener Hand mit einer Fülle farbige
...show allr Zeichnungen verziert, schildert Franc in seinen Aufzeichnungen detailreich die Erkrankungen seiner Patientinnen und Patienten, Untersuchungen und Behandlungen. Dabei erscheint der Arzt als streitbarer Gelehrter, der nicht mit Kritik an seinen Ulmer Standeskollegen geizt und sich in beigefügten Kommentaren mit den medizinischen Theorien seiner Zeit auseinandersetzt. Die Autorinnen und Autoren werten die "Ephemeris" unter Berücksichtigung weiterer Zeugnisse zu Johann Francs Leben und Schaffen unter vielfältigen Aspekten aus. Ihre Analysen vermitteln ein anschauliches Bild des medizinischen Alltags in Ulm um 1700 und decken Francs Vernetzung im innerstädtischen wie territorialen Kontext auf.
Sebastian Knoll-Jung analysiert Arbeitsunfälle im Kaiserreich und der Weimarer Republik aus zwei Perspektiven: Aus sozialgeschichtlicher Sicht befasst er sich mit Wirkung und Akzeptanz der 1884 eingeführten Unf
...show allallversicherung. Aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive liegt der Fokus in der männlich-dominierten Arbeitswelt der Untersuchungszeit primär auf Arbeitsunfällen von Männern. Knoll-Jung untersucht die gesamte Bandbreite der Arbeitsunfallthematik - vom Gefahrenbewusstsein, der Unfallverhütung, der Ursachenebene bis zur Folgenbewältigung in gesundheitlicher, finanzieller wie gesellschaftlicher Hinsicht. Die Analysekategorie Männlichkeit zeigt sich im Spannungsfeld mit ökonomischen Einflussfaktoren. Rollenerwartungen, Schmerzunterdrückung und Ablehnung von Heilbehandlungen erwiesen sich als gesundheitsgefährdend. Männlich konnotierte Unfallursachen waren Leichtsinn, Spielerei, Mutproben, Alkoholkonsum und Gewalt. Als protektive Faktoren stellten sich hingegen die Rolle des Familienernährers und der Unterstützungsnetzwerke im Kollegenkreis heraus. Als Quellenbasis wird auf Selbstzeugnisse, Arbeiterpresse, Unfallakten und -gutachten rekurriert.
Das Christentum wird meist als eine Religion der 'Lebensbejahung' präsentiert. In ihrer formativen Frühphase war die christliche Theologie jedoch massiv von manichäisch-weltablehnenden Ideen beeinflusst, die in
...show alldeutlichem Kontrast zum in der mosaischen Tradition durchaus vorhandenen 'Schöpfungslob' standen. Dieser Widerspruch prägte das Menschenbild der katholischen Kirche, auch deren Umgang mit Emotionalität und Gesundheit. Als Reaktion auf die Herausforderung der Reformation kam es im Katholizismus zu einer 'inneren Mission' zur Propagierung von Askese und Disziplin aller 'Gläubigen'. Die 'katholische Reform' betrieb dabei die Ausweitung der im Mönchtum schon lange elaborierten Postulate einer rigorosen Seelenführung - als engmaschige 'pastorale' Lenkung durch Obere einerseits, als permanente Selbstkontrolle des 'Frommen' andererseits. Die Forderung nach strikter Affektregulation nahm einen zentralen Stellenwert ein. Dies hatte weitreichende Folgen auch für die vom Klerus propagierten Vorstellungen von seelischer und leiblicher Gesundheit. Carlos Watzka erörtert die Ausgestaltung eines solchen geistlichen Diskurses der Diätetik der Affekte für den bayrisch-österreichischen Raum vom frühen 16. bis zum späten 18. Jahrhundert.
Kaum ein anderes Ereignis ist für ein Menschenleben so sehr mit Rollenzuschreibungen und Körperlichkeit verbunden - doch was bedeutet Kinderkriegen jenseits romantischer Vorstellungen von Kreißsaalglück und Fam
...show allilie? Technische und gesellschaftliche Entwicklungen stellen die Konstruktionen unseres Miteinanders auf den Kopf, der menschliche Körper, als sexuelle und reproduktive Einheit, wird neu definiert. Doch zugleich wirken alte Muster fort: Ungewollt Schwangere stehen noch immer massiv unter Druck, Eltern, vor allem Mütter, werden mit Beginn der Schwangerschaft auf Rollenbilder zurückgeworfen, die sie längst überwunden glaubten. Immer wieder stellen sich dieselben Fragen: Was ist 'normal', was ist in Ordnung? Und welche Macht hat der Blick der anderen? Was heißt es, ein Kind zu verlieren, und was, wenn niemand die eigene Trauer versteht? Wie umgehen mit einer neoliberalen Arbeitswelt, in der Elternschaft nicht vorgesehen ist? Wie viel Raum bietet die Gesellschaft behinderten Menschen mit Kinderwunsch? Was macht Migration, was Rassismus mit der Beziehung zwischen Eltern und Kind? Gehen wir als Gesellschaft zu sehr auf Kinder ein - oder zu wenig? 26 essayistische Erfahrungsberichte werfen Schlaglichter auf aktuelle Fragen rund um Reproduktion und Familie und geben wichtige Denkanstöße für dieses zentrale Thema unserer Gesellschaft.
Seuchen der Menschheit: Ein Streifzug durch die Medizingeschichte 2020 ist ein Jahr, das in den Geschichtsbüchern sehr präsent sein wird und von dem wir noch den Enkelkindern erzählen werden. Was plötzlich Rea
...show alllität wurde, hätte in dieser Form kaum jemand erwartet. Dabei ist das Coronavirus bei weitem nicht der erste Krankheitserreger, der die Menschheit zum Abstand halten gezwungen hat. Die Journalistin Letizia Gabaglio berichtet verständlich und übersichtlich von den Pandemien der Geschichte. Sie erzählt von den Fortschritten der Wissenschaft im Kampf gegen gefährliche Erreger, aber auch von den Grenzen der medizinischen Möglichkeiten. Neben den Gemeinsamkeiten der bekannten Seuchen vergangener Jahrhunderte geht sie auch der Frage nach, wie viel der Mensch selbst zur Verbreitung tödlicher Viren beigetragen hat. - Warum uns Seuchen schon seit Anbeginn der Zeit begleiten - Was wir durch Pest, Pocken und Spanische Grippe gelernt haben - Soziale Auswirkungen: Wie Epidemien Gesellschaften prägen - Umgang mit Infektionskrankheiten: Warum es mehr als nur Impfungen braucht - Göttliche Geißeln oder doch selbstverschuldet? Wie Epidemien entstehen Zoonosen: Wie Umweltzerstörung zu ansteckenden Krankheiten führt Viele neu auftretende Krankheiten der letzten Jahrzehnte haben eines gemeinsam - ihr Ursprung ist auf die Zerstörung von Artenvielfalt und Ökosystemen zurückzuführen. Letizia Gabaglio zeigt in ihrem Sachbuch, was wir in Zukunft besser machen könnten und gibt Einblicke in Dinge, die nicht erst seit Covid bei der Pandemiebekämpfung zu Problemen führen. Weder Impfgegner noch andere Skeptiker sind eine moderne Erscheinung, ganz im Gegenteil: Schon die Pockenimpfung im 18. Jahrhundert wurde nicht nur freudig begrüßt. Ihr Buch über die Geschichte der Pandemien hilft, die Ereignisse seit 2020 einzuordnen und erklärt klar Ursprünge und wirksame Bekämpfung von Seuchen!
Vom dunkelsten Fleck auf der Weste des Robert Koch. In der Corona-Krise ist sein Name in aller Munde: Robert Koch gilt als eine der Lichtgestalten der deutschen Medizingeschichte. Die Expedition indes, die er 1
...show all906 ins 'Schutzgebiet' Deutsch-Ostafrika unternimmt, bezeichnet auch das nach ihm benannte Institut als dunkelstes Kapitel in Kochs Geschichte. Lichtwarck-Aschoffs beklemmendes Buch zeigt, wie der Nobelpreisträger medizinische Versuche an Menschen durchführt, die an der durch die Tsetsefliege übertragenen Schlafkrankheit leiden, und die Internierung Kranker in Lagern empfiehlt. Ziel ist, die Arbeitskraft der gesunden Kolonisierten zu erhalten - und sei es um den Preis, dass die Infizierten durch seine Experimente Schaden an Leib und Seele nehmen oder gar den Tod finden.
Mit Beiträgen von Elisabeth Bemmann, Lutz Bergemann, Uta Bittner, Stefan Dinges, Christine Eimer, Frank Erbguth, Heiner Fangerau, Albrecht Fleischmann, Andreas Frewer, Nikola Grimm, Caroline Hack, Joachim Hahn
...show all, Christiane Jenemann, Henriette Krug, Thomas Kühlein, Elisabeth Langmann, Johannes Meyne, Michaela Naeve-Nydahl, Rouven Porz, Michael Rechenmacher, Annette Rogge, Vasilija Rolfes, Michael Rost, Daniel Rottke, Martina Schmidhuber, Ulrike Stein, Anna-Katharina Thum, Regina Trollmann und Karsten Weber.
EINE PANDEMIE VERÄNDERT DIE WELT - DIE NEUE GESCHICHTE DER PEST Die Große Pest der Jahre um 1348 war eines der einschneidendsten Ereignisse der europäischen Geschichte. Der Historiker Volker Reinhardt reko
...show allnstruiert den Verlauf der Epidemie von den Anfängen in Asien bis zu ihrem vorläufigen Erlöschen in Europa, beleuchtet die unterschiedlichen Verhältnisse in ausgewählten Städten und fragt, wie die Überlebenden politisch und wirtschaftlich, religiös und künstlerisch das große Sterben bewältigten. Sein spannend geschriebenes Panorama führt eindringlich vor Augen, was wir dem medizinischen Fortschritt verdanken und wie verblüffend ähnlich wir heute trotzdem auf eine Pandemie reagieren. Als im Frühjahr 1348 die Pest nahte, ließ der Mailänder Herrscher Luchino Visconti die Stadt komplett isolieren. Kranke in der Stadt wurden vorsorglich eingemauert. So blieb Mailand als einzige Stadt Italiens verschont. Volker Reinhardt hat die verfügbaren Quellen zur Großen Pest neu gesichtet und zeigt in seinem anschaulich erzählten Buch, dass der vermeintliche europäische Flächenbrand eine Summe von lokalen Dramen war, die die Menschen auf ganz unterschiedliche Weise bewältigten: durch politische Umstürze, Verfolgung von Minderheiten, Restauration alter Verhältnisse oder eben durch ein Lob der Tyrannis à la Mailand. Klassische Pestbeschreibungen wie die von Boccaccio erweisen sich als spätere Stilisierung nach antiken Vorbildern, doch Bilder, Bauwerke oder anonyme Chronisten lassen ermessen, wie groß die Verunsicherung war und wie übermächtig die Sehnsucht nach der verlorenen Normalität. - Die Große Pest ihr verheerendes Wirken in Mitteleuropa - Der Verlauf der Pest von den Anfängen bis zum Erlöschen - Neue und kritische Analyse der Quellen - Die Große Pest reduzierte die Bevölkerung in Europa um ein Drittel
Acht dramatische Jahrzehnte und der Kampf gegen Seuchen, Schmerz und Tod Anschaulich und lebensnah erzählt Ronald D. Gerste die umwälzenden Ereignisse und wissenschaftlichen Entwicklungen in der erstaunlich dyn
...show allamischen Zeit von 1840 bis 1914, in der die Medizin ungeahnte Fortschritte machte: ein packendes Porträt einer entfesselten Epoche, die Gesellschaft, Wissenschaft, Kultur und Politik revolutionierte - mit bleibenden Folgen bis in unsere Gegenwart.Die außergewöhnlich dramatischen Jahrzehnte zwischen 1840 und 1918 markieren eine Wendezeit, die bis heute unser Dasein und Leben prägen. Innerhalb dieser Jahre entwickelte sich die moderne Medizin und veränderte das Verhältnis des Menschen zu seinem Körper und dessen Leiden nachhaltig. Heilungserfolge wurden möglich, an die bisher nicht zu denken gewesen war, und schufen die Grundlage unseres heutigen Lebens. Es waren Forscher, Mediziner und Ärzte wie Koch, Semmelweis und Morton, die unsere Moderne begründeten. Diese Pioniere der Gegenwart zu begleiten heißt auch, sich auf eine Zeitreise in eine atemberaubende Epoche zu begeben - in der die Eisenbahn und das Dampfschiff den Menschen zu fernen Horizonten brachten, in der die Welt wahrhaft globalisiert wurde und in der neue Gedanken und Überzeugungen zu Umbruch und Revolution führten. Doch der Mensch bleibt der Mensch und die Natur lässt sich nicht endgültig bezwingen: Am Ende der hoffnungsvollen Epoche stehen eine von Staatsmännern geschaffene Katastrophe und, fast wie ein tragisches Nachwort zur Saga der Triumphe, eine von Viren verursachte Pandemie: die Spanische Grippe.
Unser Gesundheitssystem bietet nur scheinbar eine optimale Versorgung. Wie schnell es gehen kann, in eine Fehlversorgung hineinzuschlittern, wird an vielen Beispielen deutlich: So werden wir hierzulande von ein
...show aller wahren Antibiotikawelle überrollt. Alten Menschen werden häufig mit 12 Arzneimitteln und mehr pro Tag wahre Medikamentencocktails verabreicht, obwohl zumeist auch gut die Hälfte ausreichen würde. Die Deutschen sind auch noch Weltmeister beim Operieren: die Rate bei Schilddrüsen-OPs ist beispielsweise 4- bis 6-mal höher als in vergleichbaren westlichen Ländern. Was jedoch in Praxis und Klinik immer mehr fehlt, ist Zeit - Zeit für Gespräche mit den Patienten. Viel zu viel und doch zu wenig wendet sich an Experten und Patienten gleichermaßen. Ausgehend von konkreten und zum Teil aufrüttelnden Fallbeispielen wird faktenreich gezeigt, welchen Herausforderungen sich alle Beteiligten ? Ärzte, Patienten, aber auch die Politik ? stellen müssen, um einer solchen Fehlversorgung entgegenzuwirken.
Es gibt in der psychosozialen Welt einen großen Bedarf, Achtsamkeit in die eigene beratende und therapeutische Arbeit zu integrieren, sei es unter stationären oder ambulanten Bedingungen, in Einzel- oder Gruppe
...show allnsettings, in Räumen oder in der Natur. Dies findet auch in breitem Umfang statt, aber oft fehlen sowohl ein ausreichend vielseitiges und praktikables Konzept als auch die Erfahrung.Dieses Buch vermittelt das Konzept der Achtsamkeit über Erfahrungsberichte aus der einzel- und gruppentherapeutischen Arbeit mit Menschen, die an Depressionen, Angststörungen, einer psychotischen Symptomatik oder Suchterkrankungen leiden. Es thematisiert die Arbeit mit Paaren, Familien, Kindern, älteren Menschen und onkologischen PatientInnen, in Schulen, in der Natur, in Gefängnissen sowie in der allgemeinen Prävention und Lebenskunst. Die Erfahrungen, praktischen Hinweise und Vorschläge wurden von einer Arbeitsgemeinschaft entwickelt, deren Mitglieder in Therapien, Beratungen und Fortbildungen tätig sind.
Mit dem vorliegenden Fachbuch gelingt es der Autorin Katherine Leith den Bogen zwischen den beiden Feldern Ethik und Soziale Arbeit zu spannen und auf innovative Weise über die wichtigsten Theorien und Konzepte
...show allzu informieren. Gleichzeitig wird Wissen in Form von Ethikmodellen und Fallbeispielen praxisnah aufbereitet und kann somit in besonders komplexen professionellen Situationen auf der Mikro-, Meso- und Makroebene als Orientierungshilfe herangezogen werden. Mithilfe von Merksätzen, Selbstüberprüfungsaufgaben und Zusammenfassungen kann das erworbene Wissen immer wieder selbstständig überprüft werden. Dieses Fachbuch schafft es relevante Handlungskonzepte der Sozialen Arbeit mit ethischen Maximen, Richtlinien und Entscheidungskriterien zu verbinden und auf die berufliche Verantwortung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern hinzuweisen ethische Strukturen und Vorgehensweisen zu schaffen.
Gesundheitliche Chancengleichheit ist ein erklärtes Ziel unserer Gesellschaft. Tatsächlich sind der Zugang zum Gesundheitssystem, eine wohnortnahe Versorgung und damit die Gesundheit selbst in Deutschland höchs
...show allt ungleich verteilt - auch aufgrund der Vielfalt der Bedarfslagen und sozialer Benachteiligungen. Wer profitiert von den Vorteilen unseres Gesundheitssystems und welche vulnerablen Gruppen gibt es? Welche Instrumente könnten eine gerechtere Verteilung von Gesundheitsgütern und -dienstleistungen bewirken? Besteht überhaupt die Bereitschaft dazu, an der bestehenden Verteilung zu rütteln? Mit Beiträgen zu den Ursachen und Dimensionen gesundheitlicher Ungleichheit klärt das vorliegende Fachbuch die Zusammenhänge zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit und sensibilisiert für die Diversität der Bedarfe. Es widmet sich möglichen versorgungspolitischen Maßnahmen zur Verbesserung und bietet wertvolle Denkanstöße für Akteure im Gesundheits- und Sozialwesen und ist damit für Wissenschaft, Politik und Praxis gleichermaßen interessant.