Seuchen verloren seit den späten 1950er Jahren ihren Schrecken, denn neue Impfstoffe, verbesserte Hygiene und Antibiotika ließen sie als beherrschbar erscheinen. Die Erfolge vermittelten das Gefühl, in einer "i
...show allmmunisierten Gesellschaft" zu leben und mögliche zukünftige Risiken präventiv planend steuern zu können. Doch neue Infektionserkrankungen wie AIDS, SARS und Vogelgrippe erschütterten diese Gewissheit seit den 1990er Jahren immer wieder. Als Schattenseiten von wirtschaftlicher Prosperität, globalem Handel und Tourismus gelten Epidemien als unausweichliche Gefahren. Was bleibt, ist eine umfassende Vorbereitung. Nicht mehr Prävention, sondern "Preparedness" bestimmt zunehmend die Planungen für und den Umgang mit Pandemien. Aus interdisziplinärer Perspektive beleuchtet der Sammelband anhand konkreter Fallbeispiele Planungen für Pandemien und Maßnahmen der Prävention und "Preparedness" in Deutschland, den USA sowie auf Ebene der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im 20. und 21. Jahrhundert. Anders als klassische Darstellungen einzelner Infektionskrankheiten und Reaktionen auf diese setzt der Band an, bevor sich Pandemien manifestiert haben: bei der Prävention und der Vorbereitung auf den Pandemiefall. Im Zentrum stehen also pandemische Zukünfte.
Eine packende Geschichte am Abgrund des Zweiten Weltkriegs - über den jüdischen Krebsforscher Otto Warburg und die gegensätzlichen Realität von wissenschaftlicher Wissenschaft und Diktatur Berlin am Abgrund de
...show alls Zweiten Weltkriegs. In Dahlem macht sich der exzentrische Nobelpreisträger Otto Warburg daran, das Geheimnis der Zellen zu lüften - er will verstehen, wie Krebs entsteht und wie er sich heilen lässt. Doch Warburg ist jüdisch, lebt in einer homosexuellen Beziehung und muss unter den Nazis um sein Leben fürchten. Sam Apple zeigt Otto Warburg als vergessenes Genie voller Widersprüche und entwirft anhand seines Lebens ein ungewöhnliches Epochenporträt. Warum erhofften sich die Nationalsozialisten von Warburg die Rettung für die "deutsche Volksgesundheit" und ließen ihn unbehelligt weiterarbeiten? Was bleibt von seiner Forschung? Eine einmalige Geschichte über Ideologie und Wissenschaft, persönliche Gefahren und Verantwortung und das Erbe einer großen Forschungsidee.
Mütter, Macht und Mythen - Die bisher unerzählte Geschichte der Geburt vom Beginn der Menschheit bis zur Gegenwart: Was patriarchale Machtstrukturen mit Gewalt unter der Geburt und Geburten mit Vorstellungen vo
...show alln Weiblichkeit zu tun habenObwohl Geburten zentral für unser gesellschaftliches Zusammenleben und Fortbestehen sind, bleiben konkrete Erfahrungen des Geborenwerdens und Gebärens oft im Dunkeln und werden im öffentlichen Diskurs häufig als 'Nischenthema' oder spezielle Ausnahmeerfahrung mit begrenzter gesellschaftlicher Relevanz diskutiert. Helena Barop findet die Ursachen dafür in einer bis heute nachwirkenden Kultur der Bevormundung von Schwangeren unter der Geburt. Sie offenbart, dass gewaltvolle Geburtserlebnisse in einer langen Tradition ungleicher Machtverhältnisse und patriarchaler Strukturen stehen. Barops brillant erzählte feministische Geschichte der Geburt lässt uns vergangene Zeiten bereisen, räumt Mythen und Missverständnisse aus dem Weg und stellt die vermeintlichen Gewissheiten unserer Gegenwart und Idealbilder einer 'normalen Geburt' infrage. Sie zeigt, wie sich die Umstände der Geburt im Lauf der Jahrhunderte immer wieder verändert haben, und dass Frau und Kind dabei erst seit Kurzem selbstbestimmt im Zentrum stehen. Und so ist Barops Buch nicht nur eine Tour-de-Force durch die Kreißsäle der Geschichte, sondern eine Geschichte der Unterdrückung und der Ermächtigung, die uns alle betrifft: Denn Geburten prägen wie kaum ein anderes Ereignis unsere Vorstellungen von Weiblichkeit.Ausstattung: Mit Schwarz-Weiß-Abbildungen
In neun Kapiteln wird die turbulente und krisengeschüttelte Geschichte der Schweizer Freudianer nachgezeichnet - von der Gründung der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse im Jahre 1919 bis zur Abspalt
...show allung des Psychoanalytischen Seminars Zürich im Jahre 1977. Basierend auf einer breiten, gründlichen Quellenforschung beleuchtet Thomas Kurz diese Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Dabei zeigt sich eine Aversion gegen zentralistische Bestrebungen - Freud sprach von einer speziellen 'Psychologie der Schweizer' -, aber auch ein Versuch, die offenen, unverschulten Anfänge der psychoanalytischen Bewegung zu bewahren. Mit einem Beitrag von Michael Schröter
Thema dieses Buchs ist die anthroposophische Psychiatrie und Heilpädagogik im Nationalsozialismus. Wie versuchten die Leiter des psychiatrischen Sanatoriums Wiesneck und der anthroposophischen Heime ihre Patien
...show alltinnen und Patienten sowie die betreuten Kinder und Jugendlichen vor Zwangssterilisationen und 'Euthanasie' zu schützen? Wie verhandelten sie mit den Behörden und unter welchen Bedingungen konnten einzelne Institutionen weiterarbeiten? Diese Fragen werden auf der Grundlage von Patienten- und Kinderakten, Korrespondenzen mit Behörden, mit den Eltern der Kinder und Jugendlichen, mit Ärztinnen und Ärzten, Heilpädagoginnen und Heilpädagogen und zahlreichen weiteren Dokumenten untersucht. Weiter geht es um die Fluchtwege von Heilpädagoginnen und -pädagogen jüdischer Herkunft sowie die Ermordung eines Heimleiters und einer Heilpädagogin durch die Nationalsozialisten, um die Gründung der heilpädagogischen Gemeinschaft Camphill im schottischen Exil und die Flucht der Ärztin Ita Wegman mit Kindern und Jugendlichen ins Tessin. Den Abschluss bilden Kurzbiographien der anthroposophischen Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierenden jüdischer Herkunft.
Ina Boesch erzählt die Geschichte ihrer psychisch kranken Tante Marleen, über die während ihrer Kindheit nur in Andeutungen gesprochen wurde. Jahrzehnte später hat sich die Autorin auf Spurensuche nach ihrer ge
...show allheimnisvollen holländischen Verwandten gemacht. Durch einen Zufall ist sie auf die Akte ihrer Tante gestossen und kann deren Leidensweg nachzeichnen. An Schizophrenie erkrankt, wurde Marleen 1947 lobotomiert. Danach verbrachte sie den Rest ihres Lebens in psychiatrischen Anstalten. Marleens Schicksal ist repräsentativ für die Medizingeschichte der 1940er und 1950er-Jahre, als Chirurgen auf die Idee verfielen, den Wahnsinn mit dem Skalpell zu bekämpfen, nicht zuletzt auch in der Schweiz. Mit zweifelhaftem Ergebnis: Der Schnitt ins Gehirn stellte viele psychisch Kranke ruhig, ohne sie zu heilen. Zehntausende wurden Opfer des Experiments, vor allem Frauen. Marleen war eine von ihnen.
Welchen spezifischen Blick hatte die Forschung auf Kinder und Jugendliche nach 1945? Welche wissenschaftlichen Vorstellungen von Norm und Abweichung, von 'verhaltensauffälligen' Kindern gab es? Wie forschte man
...show allan Kindern in Heimen und stationären Einrichtungen? Welche wissenschaftlichen Versuche an und mit Kindern und Jugendlichen gab es nach 1945? Wie steht es um die ethischen Aspekte dieser Versuche? Die Beiträge dieses Bandes nehmen diese Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven - von der Medizin über die Pädagogik und Pharmazie bis zur Bildungsforschung - in historischer Perspektive in den Blick. Dabei geht es zum einen um die historische Epistemologie von Kindern und Kindheiten, zum anderen um die Frage, ob und wie Kinder als Teil einer 'vulnerablen Gruppe' gesehen wurden. Der Fokus liegt auf der Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland. Vor dem Hintergrund vernetzter Wissenschaftskulturen werden aber auch internationale Perspektiven berücksichtigt, vor allem angloamerikanische und russische Einflüsse auf die deutsch-deutsche Wissenschaftskultur. Gleichzeitig werden Methoden und Zugänge zeithistorischer Forschung behandelt, etwa die Rolle von Zeitzeugenschaft, Partizipation und Aktenzugängen. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
1924 starb Wladimir Iljitsch Lenin, der Gründer der Sowjetunion, in Gorki bei Moskau. Unter den Ärzten, die von der Regierung an sein Krankenbett gerufen worden waren, befand sich auch der Hamburger Neurologe M
...show allax Nonne – ausgerechnet.Nonnes Aufzeichnungen über seinen Patienten Lenin sind Ausgangspunkt einer vielschichtigen wissenschafts- und kulturhistorischen Sektion:Wer war Lenins Arzt Max Nonne? Was machte seine Hypnose- und Stromtherapie mit den Traumatisierten des Ersten Weltkriegs und welche Rolle spielte er bei den Morden an psychisch Kranken und Behinderten in der NS-Zeit?Auch auf das Nachleben des toten Lenin erstreckt sich die Untersuchung:Welches Menschenbild steckt hinter der Forschung an Lenins Hirn? Wie entstand sein Totenkult? Und warum interessierte sich der Hamburger Kunsthistoriker Aby M. Warburg so sehr für eine sowjetische Trauerbriefmarke?Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Medizinhistorischen Museum Hamburg.
Spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 ist der Krieg wieder ein fester Bestandteil des europäischen Bewusstseins. Diese Präsenz zeigt sich auch in der Medizin - sei es durch die ge
...show allographische Nähe humanitärer Einsätze oder durch die medizinische Versorgung von Menschen, die vor dem Krieg geflohen sind. Die Beiträger*innen blicken auf das spannungsreiche Verhältnis von Medizin und Krieg in Europa vom Ersten Weltkrieg bis in die Spätphase des Kalten Kriegs. Sie analysieren u.a. die Rolle der Medizin bei der Bewältigung langfristiger Kriegsfolgen sowie die Geschichte 'medizinischer Gewalt' in Kriegsräumen und zeigen dabei die Bedeutung des Krieges für die Entgrenzung medizinischer Forschung auf.
"Schweizer Ärztinnen" wurden die ersten Frauen genannt, die in der Schweiz ein Medizinstudium absolviert hatten, als ihnen der Zugang zu den Universitäten der Habsburgermonarchie noch verwehrt war. 29 Frauen au
...show alls allen Teilen Österreich-Ungarns stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Kollektivbiografie. Deren Lebensläufe und Karrieren in Europa und den USA werden unter dem Paradigma der Frauen- und Geschlechtergeschichte untersucht, wobei der Fokus auf der Perspektive der Bildungs- und Professionalisierungsgeschichte, der Medizingeschichte und der Migrationsgeschichte liegt. Gefragt wird nach ihren Motiven, Handlungsspielräumen und Erfahrungen, die von vielfältigen Grenzüberschreitungen geprägt waren.
Der gewaltsame Tod von Kindern und Jugendlichen in psychiatrischen Krankenhäusern während der NS-Zeit wird meist nur mit den sogenannten „Kinderfachabteilungen“ in Zusammenhang gebracht. Tatsächlich waren sie a
...show allber auch Opfer der Gasmordaktion „T4“ und der dezentralen „Euthanasie“. Sie starben aufgrund von Hunger und Unterversorgung und wurden für medizinische Experimente missbraucht. Minderjährige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wurden ebenso ermordet wie Zwangsarbeiterkinder.Der Historiker Dr. Dietmar Schulze, Mitglied im Arbeitskreis zur Erforschung der nationalsozialistischen „Euthanasie“ und Zwangssterilisation, hat im Auftrag von Kloster Irsee - Tagungs-, Bildungs- und Kulturzentrum des Bezirks Schwaben - das Schicksal von Kindern und Jugendlichen in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee in der Zeit zwischen 1940 und 1945 erforscht. In seiner vom Bildungswerk des Bayerischen Bezirketags herausgegebenen Studie stellt er fest, dass Kinder und Jugendliche Opfer nahezu aller Phasen und Einzelaktionen des nationalsozialistischen Patientenmords wurden.
Gute medizinische Sterbebegleitung und ein menschenwürdiger Tod besitzen in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Auch in früheren Jahrhunderten bemühten sich Ärzte und Pflegekräfte, den Sterbenden eine
...show alln qualvollen Tod zu ersparen – nur wissen wir darüber noch sehr wenig.Dieses Buch verfolgt erstmals die Geschichte der Palliativmedizin von der Renaissance bis zur Gegenwart. Anhand zahlreicher gedruckter und handschriftlicher Quellen beschreibt es die lange Tradition der Sorge um das körperliche und seelische Wohl der Sterbenden ebenso wie die alltägliche Praxis am Sterbebett.Der Autor untersucht auch die Ausführungen von Sterbenden und ihren Angehörigen und beleuchtet den Umgang mit ethischen Fragen, die bis heute nichts von ihrer Dringlichkeit verloren haben.
Dieses Buch richtet sich an ein interessiertes Fach- und Laienpublikum und ist eine wertvolle Unterrichtshilfe. Es fasst den aktuellen Forschungsstand zu diesem Themengebiet zusammen und bietet langjährig erpro
...show allbte Quellen für unterschiedlich lange Lerneinheiten zum Themenkomplex der 'Krankenpflege im Nationalsozialismus'. Die Einführung gibt Unterrichtenden einen guten Einstieg in das komplexe Thema, und vor dem Quellenteil erhalten die an problemorientiertem Lernen Interessierten Anregungen zur Gestaltung von Lerneinheiten. Neben der Analyse der konstitutiven Elemente des Pflegeberufes wird die große Bereitschaft vieler Pflegender, im Nationalsozialismus im Sinne des rassenhygienischen Paradigmas tätig zu werden, neu betont.
Dieses Buch gilt mittlerweile – auch in allen Pflegeschulen – als Standardwerk. Bis heute ist es das einzige, das so kompakt und umfassend über die Krankenpflege während des Nationalsozialismus informiert. In z
...show allusammenfassenden Darstellungen und ZeitzeugInnenberichten vermittelt das Werk Einblicke in die Krankenpflegeausbildung im „Dritten Reich“ und die Pflege im Zweiten Weltkrieg. Ausführlich thematisiert das Buch die Gefolgschaft und den Widerstand des Pflegepersonals bei den PatientInnenmorden in der Psychiatrie.Die Neuauflage wurde um aktuelle Forschungsergebnisse aus den Pflege- und Geschichtswissenschaften erweitert: Darunter Beiträge zu institutionalisierter Altenpflege und jüdischer Krankenpflege im Nationalsozialismus sowie Analysen der Arbeit von Krankenschwestern im Konzentrationslager. Außerdem wird die Rolle der Hebamme vor und nach 1945 dokumentiert.
Die Erlanger Heil- und Pflegeanstalt war in der NS-Zeit Ort von "Euthanasie"-Verbrechen. Von hier aus wurden über 900 behinderte und psychisch kranke Menschen in Tötungsanstalten gebracht, viele Hundert weitere
...show allwurden in den späteren Kriegsjahren Opfer der sogenannten "Hungerkost" und der strukturellen Vernachlässigung. Für die Erlanger Anstalt waren drei Gegebenheiten spezifisch: ihre Funktion als Zwischenanstalt, ihre Lage inmitten der Stadt und die enge strukturelle Verbindung zur Erlanger Universitätspsychiatrie - die Geschehnisse waren sichtbar für die Stadtgesellschaft und die Beschäftigten und Angehörigen der Universität Erlangen. Der vorliegende Band präsentiert die ersten Ergebnisse eines mehrjährigen gemeinsamen Forschungsprojekts des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der FAU Erlangen-Nürnberg und des Stadtarchivs Erlangen. Auf der Basis systematischer Erhebung größtenteils bislang nicht ausgewerteter Archivquellen werden die Ereignisse hinter den Anstaltsmauern in ihrem medizinischen, kommunalen und öffentlichen Kontext dargestellt und analysiert. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Opfern, die über das jeweilige Einzelschicksal hinaus auch gruppenbiographische Merkmale aufweisen.
DAS STANDARDWERK IN NEUER AUFLAGE Dieser Band bietet einen kompakten Überblick über die Geschichte der Medizin von der Antike bis zur Gegenwart. Stets wird das kulturelle Umfeld mit in den Blick genommen,
...show allin dem die Heilkunst ihre je unterschiedliche Ausprägung erfuhr. Bedeutende Ärzte, Verfahren in Therapie und Prophylaxe gelangen ebenso zur Darstellung wie beispielsweise die Medizin im Nationalsozialismus und Grundfragen der Medizin zwischen Wissenschaft und Glauben.