1924 starb Wladimir Iljitsch Lenin, der Gründer der Sowjetunion, in Gorki bei Moskau. Unter den Ärzten, die von der Regierung an sein Krankenbett gerufen worden waren, befand sich auch der Hamburger Neurologe Max Nonne – ausgerechnet. Nonnes Aufzeichnungen über seinen Patienten Lenin sind Ausgangspunkt einer vielschichtigen wissenschafts- und kulturhistorischen Sektion: Wer war Lenins Arzt Max Nonne? Was machte seine Hypnose- und Stromtherapie mit den Traumatisierten des Ersten Weltkriegs und welche Rolle spielte er bei den Morden an psychisch Kranken und Behinderten in der NS-Zeit? Auch auf das Nachleben des toten Lenin erstreckt sich die Untersuchung: Welches Menschenbild steckt hinter der Forschung an Lenins Hirn? Wie entstand sein Totenkult? Und warum interessierte sich der Hamburger Kunsthistoriker Aby M. Warburg so sehr für eine sowjetische Trauerbriefmarke?
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Medizinhistorischen Museum Hamburg.
Philipp Osten
Philipp Osten, Prof. Dr., geb. 1970, leitet das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und ist Direktor des Medizinhistorischen Museums Hamburg. Im Mabuse-Verlag erschien vor 20 Jahren sein Buch Die Modellanstalt über den Umgang mit körperbehinderten Kindern in Kaiserzeit und Weimarer Republik.